Zwischen Blut, Schweiß und Tränen:
Der lange Weg zur Genesung vor dem Comeback
Bao Nguyen ist seit dieser Saison der Reha- und Athletiktrainer der Frauenmannschaft vom 1. FC Union Berlin. In der ersten Saisonhälfte hatte er viel zu tun. Am sechsten Tag des Trainingslagers in Oliva Nova schaut er auf seine Arbeit. Zwei Spielerinnen kommen nach einer langen Zeit zurück auf den Platz.
Vorletzter Trainingstag in Spanien – Nguyen fährt mit Kart-Champion
Gestern, am Donnerstag, haben sich die Spielerinnen erholt. Am Vormittag durften sie selbst entscheiden, wie sie sich entspannen. Am Nachmittag gab es ein Teamevent auf der Kart-Bahn. Letztes Jahr war Jennifer Zietz die Schnellste. Diesmal war Anna Aehling die schnellste Fahrerin. Mit Anna Aehling wird Bao Nguyen in den nächsten Wochen viel Zeit verbringen.
Nguyen ist im Sommer zu Union gekommen. Zuvor war er anderthalb Jahre bei den Frauen von Werder Bremen. Er arbeitet eng mit Physiotherapeuten und Ärzten zusammen. Seine Aufgabe ist, verletzten Spielerinnen zu helfen. „Es gibt verschiedene Phasen nach einer Verletzung. Die Physios schauen zuerst, wie die ersten Wochen aussehen sollen. Ich helfe beim Wiederaufbau. Ich führe die Spielerinnen langsam zurück ins Training“, sagt der 28-Jährige. Individuelle Trainingspläne, Krafttraining und angepasste Belastungen sind Teil seiner Arbeit.
Die Unionerinnen hatten in der Hinrunde viele Verletzte. Der Kader war sehr klein. Jetzt geht es besser. Nur Tomke Schneider, Korina Janež und Mariann Noack machen ihre Reha extern. Außerdem fällt nur noch Anna Aehling aus.
Es freut Anna Aehling, dass sie trotzdem in Spanien dabei sein kann. „Es gibt mir viel Freude, mit der Mannschaft zusammen zu sein. Nach der Verletzung war es hart, so alleine zu sein. Ich schätze es, mit ins Trainingslager zu dürfen. Das gibt mir Energie für meine Reha mit Bao. Die Abende, Teamevents oder Gespräche am Tisch helfen mir in dieser schwierigen Zeit“, sagt sie.
Der Mann ohne Herz – Nguyens Kampf gegen die Frustration
„Am Anfang von langen Verletzungen schicken wir die Spielerinnen oft zur Reha. Das ist wichtig für den Kopf. In dieser Zeit ist es gut, ein stabiles Zuhause zu haben“, erklärt Nguyen. „Wenn die Spielerinnen wieder trainieren können, kommen sie schnell nach Berlin zurück und werden hier betreut.“
Eine besondere Herausforderung ist, die Stimmung während der langen Reha positiv zu halten: „Der Frust ist da. Jede Spielerin wird irgendwann müde. Ich wurde schon als ‚Mann ohne Herz‘ genannt“, sagt Nguyen mit einem Lächeln, „aber das gehört dazu.“
Dass der Verein keine genaue Zeitangabe oder Diagnose gibt, findet Nguyen gut: „Zum Schutz der Mannschaft und der Spielerinnen ist das richtig. Ein Zeitrahmen macht immer Druck. Durch unsere Art zu reden, können wir die Reha flexibel gestalten, auch wenn es Rückschläge gibt, ohne dass ständig nachgefragt wird.“
Freude beim Testspiel – Eurlings‘ schwieriger Start in Berlin
„Ich habe Gänsehaut bekommen. Nach langen Verletzungen ist es ein besonderes Gefühl. Die Spielerinnen haben viel Zeit und Kraft investiert. Es macht glücklich, sie wieder auf dem Platz zu sehen“, sagt Physiotherapeutin Giuliana Di Bartolo. Sie denkt an die Comebacks beim Testspiel gegen CD Castellón (8:0). Vier Spielerinnen standen nach längerer Krankheit wieder auf dem Platz: Fatma Şakar, Tanja Pawollek, Leonie Köster und Hannah Eurlings.
Eurlings kam mit einer Verletzung von der Europameisterschaft im Sommer zu ihrem neuen Klub. Sie erzielte direkt ihre ersten beiden Tore für Union. „Es war eine harte Zeit. Ich wusste nicht, wie schlimm die Verletzung war. Nach Berlin zu kommen und zu hören, wie lange ich ausfalle, war sehr schwierig. So will man nicht in einem neuen Team und in einem neuen Land anfangen“, erzählt die Stürmerin von ihren Anfängen bei Union.
Sie begann ihre Reha in Belgien, um etwas Abstand zu gewinnen und bei Freunden und Familie zu sein. Dann kam sie nach Berlin zurück: „Mit Bao lief das Reha-Training gut. Wir haben daran gearbeitet, fit zu werden und die Verletzung zu verhindern. Jetzt zurück zu sein, macht mich stolz. Ich freue mich sehr auf die zweite Saisonhälfte.“
Kösters langer Weg zurück – Großer Rückhalt aus der Mannschaft
In der Reha hat Eurlings viel Zeit mit Leonie Köster verbracht. Sie hatte im Februar eine Verletzung. Sie musste fast elf Monate warten, um wieder zu spielen. Die Mittelfeldspielerin war zuerst in ihrer Heimat München. Dort war sie bei Freunden und Familie: „Es war die längste Zeit, die ich nicht spielen konnte. Es war ein Schock für mich, direkt nach meinem zweiten Spiel für Union so lange auszufallen. Am Anfang musste ich nach Hause, um das zu akzeptieren. Ich habe die ersten vier Monate in München gemacht. Das war die richtige Entscheidung, weil ich dort meine Familie hatte.“
„Es war schön, wieder nah bei der Mannschaft zu sein und in Berlin zu sein. Das Reha-Training mit Bao war sehr intensiv. Es hat aber auch viel Spaß gemacht. Von Schritt zu Schritt wurde es einfacher“, erzählt die 24-Jährige. Über ihre Rückkehr auf den Platz sagt sie: „Man denkt in der Reha viel über diesen Moment nach. Am Abend davor konnte ich gut schlafen. Aber kurz vor meiner Einwechslung war ich ein bisschen nervös. Die Freude war aber viel größer, weil ich wieder viel Vertrauen in meinen Körper hatte. Ich möchte betonen, dass die Unterstützung von der Mannschaft unglaublich war. Das ist nicht normal und dafür bin ich sehr dankbar.“
Die Tagebuch-Einträge auf einen Blick: