Geschäftsführerin Jennifer Zietz gibt Einblicke im Trainingslager:

„Das Stadion ist ein Faustpfand für Transfers“

Drei Winterneuzugänge sind mit der Profimannschaft der Frauen des 1. FC Union Berlin ins Trainingslager nach Oliva Nova gereist. Am fünften Tag des Aufenthalts in Spanien verrät Jennifer Zietz, Geschäftsführerin Profifußball Frauen, wie lange ein Transfer im Voraus vorbereitet wird, welche Abläufe vor einer Verkündung stattfinden und weshalb ihr Handy fast nie stillsteht.

Enge Zusammenarbeit mit Scout und Kaderplaner Marvin Bellin

Am Anfang eines möglichen Transfers steht das Scouting. Dafür ist bei den Profifrauen vor allem Marvin Bellin verantwortlich, der zugleich als Kaderplaner tätig ist. Der 27-Jährige legt zunächst die zu besetzenden Planstellen fest und identifiziert mithilfe datenbasierter Analysen potenzielle Neuzugänge. „Mittlerweile agieren wir europaweit und teilweise sogar darüber hinaus. Meistens beginnt der Prozess bereits eineinhalb bis zwei Jahre vor einer möglichen Verpflichtung, wenn wir Spielerinnen über verschiedene Datenplattformen sowie durch Video- und Live-Scouting beobachten. Uns ist dabei wichtig, nicht nur die kurzfristige Entwicklung einer Spielerin zu betrachten, sondern wirklich langfristig zu prüfen, ob sie zu uns passt“, erklärt Bellin.

Der ständige Austausch zwischen Bellin und Zietz ist unabdingbar, schließlich ist die Fußballwelt schnelllebig und erfordert mitunter auch kurzfristige Entscheidungen. „In intensiven Phasen kommt es vor, dass Marvin und ich mehrmals täglich telefonieren. Das ist ganz normal“, berichtet die Geschäftsführerin.

Während Bellin beim Scouting vor allem die fußballerischen Qualitäten im Blick hat, spielen für einen möglichen Transfer auch die charakterlichen Eigenschaften einer Spielerin eine entscheidende Rolle. „Darauf legen wir großen Wert, ja. Nach der ersten Kontaktaufnahme mit dem Berater, um die vertragliche Situation zu klären, folgt meist ein gemeinsamer Zoom-Call mit der Spielerin, ihrem Berater, Marvin und mir. Dabei geht es nicht nur um Fußball, sondern auch darum, ein Gefühl dafür zu bekommen, wie eine Spielerin tickt und ob sie menschlich zu uns passt“, so Zietz.

Zwei Frauen schütteln sich die Hände in einem Raum, im Hintergrund sind Fußball-Dekorationen zu sehen.
Zwei Personen halten ein Fußballtrikot mit dem Logo "raisin" im Stadion in der Hand. Im Hintergrund ist das Spielfeld zu sehen.

Einladung zum Trainingszentrum und Stadion – Unterschiede zum Männerfußball

Sollte der Zoom-Call erfolgreich verlaufen und sich die Spielerin einen Wechsel vorstellen können, folgt in der Regel eine Einladung nach Berlin. Vor Ort besichtigen die potenziellen Neuzugänge das Trainingszentrum Oberspree und das Stadion An der Alten Försterei. „Das Stadion ist für uns ein echtes Faustpfand. Es kann am Ende durchaus den Ausschlag geben, wenn eine Spielerin sieht, dass sie hier jedes zweite Wochenende auflaufen könnte. Diese Atmosphäre ist einfach einzigartig“, betont Zietz.

Bereits jetzt, so Zietz, laufen die Planungen für das kommende Sommertransferfenster: „Für die Wintertransfers haben wir ungefähr im Oktober begonnen, konkret zu verhandeln. Lia Kamber stand aber zum Beispiel schon seit rund einem Jahr in unserem engeren Fokus und Marvin war regelmäßig vor Ort in Basel. Rund um Weihnachten war es auf meinem Handy mal etwas ruhiger, aber spätestens jetzt startet die Vorbereitung auf die nächste Saison.“

Die Transferwelt im Frauenfußball unterscheidet sich laut Zietz deutlich vom Männerbereich: „Eine Spielerin braucht in der Regel deutlich mehr Vorlaufzeit als ihr männliches Pendant. Kaum eine würde von heute auf morgen den Verein wechseln, ohne zu wissen, wo sie künftig wohnt oder wie das Umfeld aussieht. Auch die Rahmenbedingungen und weiche Faktoren, etwa die Teamdynamik oder die Charakterstruktur der Mannschaft, spielen eine viel größere Rolle. Der gesamte Prozess ist dadurch umfangreicher und persönlicher. Einen klassischen Deadline-Day wie im Männerfußball, an dem Transfers in letzter Minute über die Bühne gehen, gibt es bei uns eigentlich nicht.“

Auch Wintertransfers seien deshalb eine besondere Herausforderung: „Bei Silje Skaara Helgesen war es von Vorteil, dass die Saison in Norwegen bereits zu Ende war. Generell ist es aber so, dass nur wenige Spielerinnen mitten in der Saison wechseln wollen. Für viele wäre das zu abrupt und sie möchten den bisherigen Verein nicht ohne ordentlichen Abschied verlassen. Deshalb ist es wichtig, jetzt den Kontakt zu halten und gegebenenfalls im Sommer einen neuen Versuch zu starten. Mein Handy steht deshalb eigentlich nie wirklich still.“

Kamber, Skaara Helgesen und Kassen: Das sind Unions Winterneuzugänge

Lia Kamber wechselte vom FC Basel zu den Eisernen, wo sie sich in der vergangenen Saison im Mittelfeld festgespielt hatte. Die 19-Jährige bestritt 29 Pflichtspiele für den FCB und erzielte dabei acht Treffer. Zuvor stand sie bei ihrem Ausbildungsklub FC Luzern unter Vertrag, für den sie bereits über 50 Partien in der höchsten Schweizer Spielklasse absolvierte. Ihr Debüt gab sie dort mit gerade einmal 16 Jahren. Kurz nach ihrem 18. Geburtstag folgte auch der erste Einsatz für die Schweizer A-Nationalmannschaft, für die sie inzwischen drei Länderspiele bestritten hat. Über ihre erste Woche in Berlin sagt Unions neue Nummer 41: „Die Intensität ist sehr hoch, was mir aber wirklich gut gefällt. Die Mannschaft hilft mir bei vielen Dingen und ich fühle mich schon total wohl. “

Silje Skaara Helgesen verließ ihre norwegische Heimat, um sich nach 80 Pflichtspielen für Stabæk Fotball den Unionerinnen anzuschließen. Die Innenverteidigerin gehörte dort in den vergangenen drei Jahren zu den absoluten Stammspielerinnen und stand fast immer in der Startelf. Zudem durchlief die 21-Jährige sämtliche norwegischen Nachwuchsnationalmannschaften. „Es macht wirklich viel Spaß. Vieles ist neu für mich, aber ich habe das Gefühl, dass ich die Abläufe immer besser verstehe. Die Mädels unterstützen mich unglaublich, was mich sehr positiv überrascht hat“, beschreibt Skaara Helgesen ihre ersten Eindrücke vom Team.

Pünktlich zum Start des Trainingslagers stieß auch Torhüterin Julia Kassen zur Mannschaft. Die 23-Jährige stand in der Hinrunde beim FC Carl Zeiss Jena unter Vertrag und bestritt dort fünf Spiele für die U20 in der Regionalliga Nordost. Zuvor hütete sie beim SC Freiburg das Tor und kam in zwei Jahren auf fünf Bundesliga-Einsätze. Beim VfL Wolfsburg, wo sie von 2018 bis 2023 aktiv war, absolvierte sie 43 Zweitligaspiele für die U20. Von dort kennt sie auch Unions Torwarttrainerin Alisa Vetterlein. „Ich wurde sehr gut aufgenommen, die Bedingungen hier vor Ort sind natürlich auch klasse. Man merkt direkt, dass der gesamte Verein sehr herzlich und familiär ist“, betont Kassen. 

Zitat des Tages: Sea auf Englisch heißt Meer, aber See und Meer sind nicht das gleiche. Warum heißt es nicht Meerhund? Sie leben doch im Meer“, Hannah Eurlings erklärte ausführlich am Esstisch, warum der Begriff Seehund für sie in der deutschen Sprache keinen Sinn ergibt.

Die Tagebucheinträge im Überblick:


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Profis FrauenSaison 2025/26Frauen-BundesligaWintertrainingslager

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