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Union-Vorgängerverein siegt im Viertelfinale zur Dt. Meisterschaft gegen Bielefeld

Heute vor 100 Jahren:

Sa, 20. Mai 2023
Union-Vorgängerverein siegt im Viertelfinale zur Dt. Meisterschaft gegen Bielefeld

Auf den Tag genau heute vor 100 Jahren - am 20.05.1923 -  gewann der SC Union Oberschöneweide gegen Arminia Bielefeld im Kampf um die Deutsche Meisterschaft das Wiederholungs-Viertelfinalspiel.

Nach dem Gewinn der Meisterschaft des Verbandes Brandenburgischer Ballspielvereine nahm der SC Union Oberschöneweide an den Ausscheidungsvergleichen um die Deutsche Meisterschaft des DFB teil. Um den Titel kämpften die Sieger der Endspiele der Regionalverbände des DFB. Vertreter des Westdeutschen Verbandes war Arminia Bielefeld. Nachdem im Stadion zu Bochum die reguläre Viertelfinalbegegnung gegen die Westfalen nach zweieinhalbstündiger Spielzeit ein 0:0-Unentschieden ergeben hatte, war die Wiederholung nach Berlin angesetzt.

Mit umgestellter Elf fanden die Unioner zunächst wenig Wege in die Offensive, während die Bielefelder ihre zahlreichen Angriffe entschluss- und durchschlagskräftig vortrugen, dabei aber selten für tatsächliche Gefahr sorgten. Ihre Hintermannschaft stand fest vor dem unsicher auftretenden Tormann Niehaus. Oberschöneweides Angreiferreihe wurde stärker und traf dabei auf eine nahezu fehlerlos abwehrende Arminia-Vertretung. Nur Jachmann vermochte sich durchzusetzen, als er den bereits ausgespielten Bielefelder Torwart überwand und aus spitzem Winkel auf das leere Tor schoss – der zurückgestürzte Verteidiger Leeker erreichte den Ball noch auf der Torlinie …

Eine ähnliche Gefahr vereitelte Bielefelds Otto in den ersten Minuten der zweiten Spielhälfte. Eine vorerst letzte Torgelegenheit der sich schwach zeigenden Unioner, denen die Tatkraft Bielefelds zu schaffen machte, wenngleich Müller seinen Blau-Weißen sicherer Rückhalt blieb. Keine Möglichkeit der Abwehr aber ließ ihm Stürmer Pohl mit seinem Schuss in der 83. Minute – aus zehn Metern traf dieser, zunächst noch unbedrängt, mit einem wuchtigen Schrägschuss ins Union-Gebälk zur Führung der Westfalen, die sich in der Schlussphase immer stärker gezeigt hatten.

Union stellte nun um, Klautsch und Franke I gingen in den Angriff, während sich Otto Splittgerber und August Hamann in Verteidigung und Mittelfeld zurückzogen. Die Maßnahme führte zum Erfolg – Franke I nutzte eine letzte Gelegenheit und traf über Niehaus‘ Fingerspitzen in die rechte obere Ecke zum Ausgleich – der Unparteiische hatte die Pfeife zum Beenden der regulären Spielzeit bereits angesetzt.

In der Verlängerung, zweimal fünfzehn Minuten, zeigte sich Union dem Publikum stärker, ein Tor fiel nicht. Die zweite Verlängerung – wieder war dieselbe Zeit vorgesehen, oder ein Treffer bedeutete das Spielende – gingen die Unioner wieder in veränderter Formation an, Hermann Lux in der Mittelstürmerposition. Ihm war es vorbehalten, drei Minuten nach dem neuerlichen Anpfiff zur Entscheidung einzuschießen: Er setzte sich gegen einen Verteidiger durch und brachte am herausstürzenden Niehaus vorbei den Ball sicher in die Tormaschen. So endete der Viertelfinalvergleich über zwei Spiele nach insgesamt 273 Minuten für die Oberschöneweider siegreich.

Im Deutschen Stadion am Berliner Grunewald sahen 12.000 Zuschauer die am Pfingstsonntag um 16 Uhr von Schiedsrichter Albert Friedrichs aus Hamburg-Altona angepfiffene Begegnung.

Für Union Oberschöneweide waren aufgelaufen: Franz „Nante“ Müller; Penk, Franz Klautsch; Otto „Ette“ Martwig, Hermann Lux, Max Franke I; August Hamann, Willi „Itze“ Jachmann, Otto Splittgerber, Horst „Hugo“ Franke II, Albert Dietz.

Für den 1. Bielefelder FC Arminia spielten Willi Niehaus; Hans Kolbow, Ewald Leeker; Kurt Otto, Willi Noe, Ewald Höning; Karl Ahlert, Otto Wagner, Willi Pohl, Walter Klaus-Oehler, Walter Röhe. Frantisek Zoubec trainierte die Mannschaft.

Für das folgende Halbfinaltreffen zum Gegner qualifizierte sich Süddeutschlands Meister, die Spielvereinigung Fürth. Sie besiegte die Vereinigten Sportfreunde Breslau, Titelträger Nordostdeutschlands, mit 4:0 Toren.