Abstimmung der DFL-Mitgliederversammlung:

Position des 1. FC Union Berlin

Anlässlich der gestrigen außerordentlichen Mitgliederversammlung der DFL wandte sich Union-Präsident Dirk Zingler in einem Anschreiben an die Mitglieder des Vereins, um die Position des 1. FC Union Berlin zu erläutern.

Mann in Anzug sitzt am Tisch, spricht in ein Mikrofon, im Hintergrund farbige Beleuchtung.

Anlässlich der gestrigen außerordentlichen Mitgliederversammlung der DFL wandte sich Union-Präsident Dirk Zingler in einem Anschreiben an die Mitglieder des Vereins, um die Position des 1. FC Union Berlin zu erläutern. Nachfolgend das Anschreiben im Wortlaut: 

Liebe Unionerinnen, liebe Unioner,

in den letzten Wochen wurde im deutschen Fußball – in den Vereinen, den Fanszenen, auf Verbandsebene und in den Medien – sehr viel diskutiert. Es ging dabei um ein Thema, das leider oft inhaltlich unzureichend mit „Investoreneinstieg bei der DFL“ betitelt wurde.

Ich selber habe mich sehr aktiv in die Diskussion eingebracht und in vielen Gesprächen in größeren und kleineren Gruppen erläutert, worum es dabei genau ging und welche Entscheidungen wann zu treffen seien. Dies möchte ich auch an dieser Stelle noch einmal tun, denn nach wie vor sind viele falsche Informationen im Umlauf.

Zunächst einige grundsätzliche inhaltliche Anmerkungen:

Viele Vereine in der DFL sehen in den kommenden Jahren einen erheblichen Investitionsbedarf, um sowohl ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit als auch die Solidargemeinschaft Bundesliga und 2. Bundesliga zu stärken. Die 36 Mitglieder der DFL vermarkten seit vielen Jahren ihre Medienrechte gemeinsam, obwohl der FC Bayern München mit einer Einzelvermarktung dieser Rechte sehr viel mehr, der SV Sandhausen hingegen sehr viel weniger erlösen würde. Auch wir als 1. FC Union Berlin haben von dieser Solidargemeinschaft profitiert und konnten uns kontinuierlich entwickeln.

In den vergangenen Monaten hat die amtierende Geschäftsführung der DFL im Auftrag aller 36 Vereine in einem geordneten und sachlichen Prozess geprüft, ob und wie die Erlöse aus der gemeinsamen Vermarktung der Medienrechte mit Hilfe eines strategischen Partners, der neben Geld möglichst auch inhaltliche Kompetenz mitbringen sollte, gesteigert werden können.

Im Ergebnis dieses Prozesses wurde ein Modell entwickelt, das die Gründung einer Tochtergesellschaft der DFL vorsah, an der ein Partner auf Basis eines Lizenzmodells zeitlich befristet mit 12,5% an den Erlösen beteiligt werden könnte. Für die 20-jährige Beteiligung sollte der Partner ca. 2,0 Mrd. Euro einbringen. Darüber hinaus wurden auch die berühmten „roten Linien“ definiert. Demnach verblieben sämtliche Hoheitsrechte bei der DFL und somit bei den Vereinen. Einfach gesagt bliebe also all das, was wir prinzipiell nicht wollen, beispielsweise Eingriffe in die Spielplangestaltung oder Einflussnahme auf das Stadionerlebnis am Spieltag oder sogar des Spielortes somit auch rechtlich vor einem möglichen Vermarktungspartner geschützt.

Die DFL hatte ihren Mitgliedern dazu vorab umfangreiche Informationen zur Verfügung gestellt, die ich hiermit gerne mit euch teile.

Im Rahmen der gestrigen Versammlung wurde entgegen vielfacher Berichterstattung nicht über einen Vertragsabschluss abgestimmt, sondern darüber, ob der DFL-Führung das Mandat erteilt werden soll, den begonnenen Prozess fortzusetzen und mit interessierten Partnern einen Vertragsentwurf zu verhandeln.

Als Präsidium des 1. FC Union Berlin haben wir gestern für die Fortsetzung des Prozesses gestimmt. Die Zustimmung zu einem Vertragsentwurf, der in der Fortsetzung dieses Prozesses entstehen sollte, wäre nur dann erfolgt, wenn die Vertragsbedingungen unseren Werten und unseren Vorstellungen von Fußball entsprochen hätten.

Beachtlich ist, dass auch Vereine, die gestern mit Nein gestimmt haben, sich mehr Geld wünschen. Die vorgetragenen Alternativen zur Erlössteigerung reichen von einer Verschuldung durch Kreditaufnahme, über die Vermarktung des Namensrechtes der Liga bis zur – und das ist kaum zu begreifen – weiteren Zerstückelung des Spieltages durch die Vermarktung einer zusätzlichen Anstoßzeit.

Diese Vorschläge sind genau das, was für uns als Präsidium des 1. FC Union Berlin „rote Linien“ sind: Eingriffe in die Souveränität der Vereine und der Liga, in die Spielplangestaltung und in das Stadionerlebnis – allesamt Dinge, die in den vergangenen Wochen als befürchtetes Ergebnis der Einflussnahme eines möglichen Investors von vielen Fans zum Ausdruck gebracht worden sind.

Gerade weil diese Punkte für uns nicht verhandelbar sind, weil wir für unsere Art, Fußball zu gestalten stehen, weil wir für die gemeinsame Vermarktung der Medienrechte der Vereine in der DFL und den Erhalt der 50+1-Regel sind, haben wir dem gestrigen Antrag, diesen Prozess fortzusetzen und zur Abstimmungsreife zu bringen, zugestimmt.

Was ich an dieser Stelle noch einmal bekräftigen möchte, ist, dass wir den Weg, der uns in die Bundesliga und nun zum dritten Mal in Folge in einen europäischen Wettbewerb geführt hat, fortsetzen werden. Dieser beinhaltet, einen permanenten Ausgleich zwischen den verschiedenen Interessengruppen zu moderieren. Mitglieder, Fans, Zuschauer, Spieler, Trainer, Mitarbeiter, Sponsoren, strategische Partner – sie alle gehören zum 1. FC Union Berlin, und zusammen bilden wir die starke Gemeinschaft, die sich über einen langen Zeitraum sehr erfolgreich entwickeln konnte.

Zudem bin ich weiterhin überzeugt, dass Investitionsmittel uns auf unserem Weg „Fußball für Menschen“ unterstützen werden. Deshalb ist ein Ja zu Investoren eben nicht automatisch ein Nein zu Fußball für Menschen. Unser Club ist der beste Beweis dafür, dass es auf die richtige Verwendung der Mittel ankommt.

Wir werden uns weiterhin für unsere Werte und unsere Ideen vom Fußball einsetzen. Voraussetzung dafür ist jedoch ein starker und unabhängiger 1. FC Union Berlin e.V.

Eiserne Grüße
Dirk Zingler

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Saison 2022/23

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