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Junge Fußballfreunde gründeten Unions Vorgänger „Olympia"

Heute vor 115 Jahren:

Do, 17. Juni 2021
Junge Fußballfreunde gründeten Unions Vorgänger „Olympia"

Auf den Tag genau am 17.06. vor 115 Jahren wurde Unions Vorgängerverein "Olympia" gegründet.

Als in Oberschöneweide im Sommer 1906 eine Gruppe junger Schüler und Lehrlinge ihre Fußballervereinigung gründete, hatte dieser Sport im Deutschen Reich, in Berlin und in dessen Vororten bereits eine bewegte und an ersten Erfolgen reiche Geschichte. In den 1880er-Jahren waren aus losen Verbindungen heraus erste Klubs und Vereine gebildet worden. Deutschlands ältester Verein, der im April 1888 in Berlin entstandene „FC Germania", hatte 1891 die erste Meisterschaft des im Jahr zuvor in Berlin entwickelten „Bund Deutscher Fußballspieler" gewonnen. Im Jahr 1902 war der im September 1897 geschaffene „Verband Deutscher Ballspielvereine" in „Verband Berliner Ballspielvereine" umbenannt worden.

So waren in der Hauptstadt bis Sommer 1906 bereits neun Titelträger zu ihren Ehren gekommen. Für die außerhalb liegende 15.379-Einwohner zählende, 1896 selbstständig gewordene Stadtgemeinde Oberschöneweide ist der 1898 in Niederschöneweide gegründete und später über die Spree gesiedelte „FC Exelsior" überliefert. Unterdessen lieferten sich auch Schülermannschaften auf Uferwiesen und anderen freien Flächen ihre ersten Wettkämpfe: „Westende", „Sparta", „Urania", „Germania" und „Olympia" traten gegeneinander an. Auch einen „FC Preußen" halten die zeitgenössischen Aufzeichnungen fest. Auflösungen und neue Zusammenschlüsse führten nur langsam zu Stetigkeit.

Mit dem Ziel, sich einen beständigen Verein zu schaffen und künftig organisiert Fußballspiel und Leichtathletik zu betreiben, trafen sich am 17. Juni 1906 in der Luisenstraße 17, in der Gastwirtschaft von Albert Großkopf, fünfzehn junge Burschen – „Olympia Oberschöneweide" entstand. Wenige Wochen später, am 22. Juli 1906, traten sie dem im Süden Berlins, auf dem Tempelhofer Feld spielenden „Berliner Tor- und Fußball-Club Helgoland" als Ortsabteilung Oberschöneweide bei. Der 1897 gegründete und erfolgreiche Klub war seit 1900 Mitglied des Fußball-Verbandes, und so ermöglichte der Eintritt in die Struktur ein erstes Teilnehmen am Meisterschaftsbetrieb.

Als Nachwuchsvertretung erfolgreich und entsprechend selbstbewusst fanden die Oberschöneweider im Februar 1907 Anschluss an den „Berliner Tor und Fußball-Club Union von 1892" – den Deutschen Meister von 1905. Hier entwickelten sie sich zunächst mit zwei Jugendmannschaften und als IV. Männervertretung, bis sie im Februar 1910 in die Selbstständigkeit traten – als „Sport-Club Union Oberschöneweide" und als nun souveränes Mitglied des Fußballverbandes.

Nur wenig ist überliefert zu den 1906er-Gründungsmitgliedern Hans Sörensen, Otto Rienitz, Oskar Grünwald, Otto Kraaz, Hans Rehn, Arno Georgi, Fritz Schornstein, Johannes Saupe, Arno Böttger, Willi Backe, Fritz Rump, Max Maaß, wie auch zu Fritz Rump, Max und Franz Fähnrich, die am 17. Juni im Großkopf'schen Lokal nicht anwesend waren. Ebenso zu Erwin Mettchen, der dort zum Vorsitzenden gewählt worden war, zu Ernst Standtke, dem ersten Mannschaftskapitän und, wie Albert Seipp und Richard Rump, später erfolgreichen Berliner Auswahlspieler. Offen ist ferner, welchen konkreten Anteil am Geschehen Georg Hirsch, Karl und Wilhelm Berkenhoff, Fritz Bredow, Adolf Rittinghaus, Robert Stach und Karl Fritsche nahmen.

Von jener 1906er-Versammlung sind keine unmittelbaren Dokumente erhalten. Ebenso wenig sind heute die lokalen Tageszeitungen des Jahres und der folgenden verfügbar. Dass „Olympia Oberschöneweide" überhaupt ein Thema der aktuellen Berichterstattung wurde, ist zweifelhaft. Ob die Vereinigung sich Fußball- oder Sport-Club benannt hatte, ist angesichts widersprüchlicher Angaben nicht festzulegen.