Verrückte zweite Halbzeit:
Union und Wolfsburg trennen sich mit 3:3
Die Profimannschaft der Frauen des 1. FC Union Berlin bestätigt die starke Form der vergangenen Wochen und entführt einen Punkt vom Tabellenzweiten VfL Wolfsburg. In einem recht ereignisarmen ersten Durchgang treffen beide Teams kurz vor der Pause (43./45+1.). Völlig im Kontrast steht dann der zweite Durchgang, in dem die Eisernen nach einem Eigentor (62.) und einer direkt verwandelten Ecke von Tanja Pawollek (78.) mit 3:1 führen. Den Wolfsburgerinnen gelingt jedoch zunächst der Anschlusstreffer in der 82. Minute, ehe die Gastgeber in Unterzahl in der Nachspielzeit noch den Ausgleich erzielen (90+5.).
1. FC Union Berlin: Böhi – Weiß (90. Georgieva), Tysiak, Steuerwald, Steinert (72. Şakar) – Pawollek, Kamber – Weidauer (90. D. Orschmann), Heiseler (60. Bauereisen), Eurlings – Campbell (72. Hipp)
VfL Wolfsburg: Johannes – Bjelde (67. Linder), Wedemeyer, Bergsvand (58. Küver), Levels (57. Endemann) – Peddemors, Minge – Zicai (80. Vallotta), Huth, Pujols – Kerim-Lindlad (57. Beerensteyn)
Personal: Nach dem 4:1-Heimsieg gegen den SV Werder Bremen nahm das Trainerteam keine Veränderung in der Startaufstellung vor.
Zuschauer: 3.517
Tore: 0:1 Eurlings (43.), 1:1 Minge (45+1.), 1:2 Küver (62., Eigentor), 1:3 Pawollek (78.), 2:3 Küver (84.), 3:3 Pujols (90+5.)
Ausgeglichenes Duell – Zwei Tore kurz vor der Pause
Die erste Halbzeit im Wolfsburger AOK-Stadion war von Beginn an von einer hohen Intensität in den Zweikämpfen geprägt. Beide Mannschaften schenkten sich nichts, sodass das Spielgeschehen vor allem rund um den Mittelkreis stattfand. Den ersten Abschluss im Spiel gab es erst nach 29 Minuten, als Nadine Böhi im kurzen Eck von Ella Peddemors geprüft wurde.
Ansonsten blieben weitere nennenswerte Strafraumszenen aus, sodass sich die 3.517 Zuschauer, darunter wieder zahlreiche mitgereiste Unioner, bereits auf ein torloses Remis zum Pausentee einstellten. In der 43. Minute konnte Hannah Eurlings jedoch eine Unachtsamkeit der Wölfinnen zum Führungstreffer ausnutzen: Sophie Weidauer setzte am Fünf-Meter-Raum ihre Gegenspielerin unter Druck und gewann den Ball, sodass Eurlings nur noch aus kurzer Distanz einschieben musste.
Die Partie nahm nun noch mal unverhofft Fahrt auf und der VfL Wolfsburg hatte in der Nachspielzeit die Antwort auf den Rückstand parat: Mit einem Sonntagsschuss aus 16 Metern jagte Janina Minge den Ball per Volley zum Ausgleich in den Winkel (45+1.). Kurz darauf ging es für beide Mannschaften in einem ausgeglichenen Spiel, in dem die Eisernen mindestens ebenbürtig waren, in die Halbzeit.
Spektakel in Wolfsburg – Eigentor, direkt verwandelte Ecke, Platzverweis und VfL-Ausgleich in Unterzahl
Auch im zweiten Durchgang begegneten sich beide Teams auf Augenhöhe und kämpften um jeden Zentimeter auf dem Platz. Die Eisernen liefen nach dem Seitenwechsel allerdings etwas höher an und konnten sich dadurch in der 56. Minute eine Chance erspielen, als Lisa Heiseler aus spitzem Winkel zum Abschluss kam. Stina Johannes fing das Leder im Kasten jedoch sicher ab.
Sechs Minuten später durften die Eisernen dann aber jubeln, wenngleich der Treffer wieder unter kräftiger Mithilfe der Wölfinnen fiel: Ein Rückpass in Richtung Tor rutschte Camilla Küver über den Schlappen, sodass der Ball aus 20 Metern ins eigene Tor rollte (62.). In den folgenden Minuten schmiss der VfL Wolfsburg alles nach vorne und legte auch von der Bank namhaft nach, doch Torchancen konnten sich die Gastgeberinnen gegen den gut organisierten Abwehrbund der Eisernen kaum erspielen. Bei einem Schuss von Vivien Endemann war zudem Nadine Böhi zur Stelle (68.).
Stattdessen baute Tanja Pawollek mit einem Kunstschuss in der 78. Minute die Führung aus: Eine Ecke zirkelte die Mittelfeldspielerin nah vors Tor, wo wohl keine Spielerin mehr den Ball berührte und auch Johannes die Kugel nicht erreichte, sodass das Spielgerät schließlich im langen Eck einschlug. Sinnbildlich für die starke Mannschaftsleistung der Rot-Weißen an diesem Nachmittag war eine Szene in der 83. Minute: Nach einer Ecke klärte erst Samantha Steuerwald kurz vor der Linie, ehe Nele Bauereisen eine harte Direktabnahme aus kürzester Distanz mit größtem Körpereinsatz blockte. Die anschließende Ecke brachte den VfL dann aber doch noch mal heran: Küver machte ihr Eigentor wieder gut und köpfte zum 2:3 ein (83.).
Die Ereignisse überschlugen sich nun und in der 86. Minute folgte der nächste Höhepunkt. Bauereisen war 30 Meter vor dem Tor nur noch im Duell mit Torhüterin Johannes, die Unions Nummer 23 als letzte Frau abräumte. Folgerichtig schickte die Schiedsrichterin die Wolfsburger Schlussfrau vom Platz, woraufhin Feldspielerin Janina Minge aufgrund des ausgereizten Wechselkontigents ins Tor musste. Aufgrund all dieser Geschehnisse gab es eine zehnminütige Nachspielzeit, in welcher Wolfsburg in Unterzahl noch mal zurückschlagen konnte. Nach einer Flanke von der rechten Seite drückte Judit Pujols den Ball zum 3:3 über die Linie (90+5.). Es war der Schlusspunkt in dieser absurden zweiten Halbzeit.
Stimmen nach dem Spiel
„Unser Pressing ist heute sehr gut aufgegangen, wodurch wir zwei Tore erzwingen konnten. Es war wieder eine sehr geschlossene Mannschaftsleistung und ich glaube, dass man auch von außen sieht, dass die Abläufe immer besser funktionieren. So kann es nach der Pause dann weitergehen“, erklärte Kapitänin Lisa Heiseler im Nachgang der Partie.
Tanja Pawollek meinte: „Vor dem Spiel hätte definitiv jeder den Punktgewinn unterschrieben. Ich glaube, dass es ein Spiel auf Augenhöhe war, in dem wir die Wolfsburger Fehler sehr clever nutzen konnten. Am Ende ist es natürlich ein bisschen schade, dass wir nicht den Sieg mitnehmen konnten, aber insgesamt können wir dennoch sehr zufrieden sein.“
„So ein verrücktes Spiel wie heute habe ich selten erlebt. Wir wollten von Anfang an Gas geben, was uns auch gelungen ist. Es ist natürlich ein bisschen ärgerlich, dass wir es am Ende nicht über die Zeit bringen, aber es ist dennoch ein Punktgewinn bei einem Champions-League-Team. Die Mannschaft hat sich heute aufgeopfert und auf diese Leistung bin ich sehr stolz“, lobte Cheftrainerin Ailien Poese den Auftritt ihrer Mannschaft.
Ausblick
Für die Unionerinnen steht nun eine lange Pause im Ligabetrieb an. Erst in rund einem Monat geht es mit einem Heimspiel gegen den FC Bayern München weiter. Die zeitgenaue Ansetzung steht noch aus. Am Mittwoch, dem 08.04.2026, um 15 Uhr sind Fans herzlich eingeladen, das öffentliche Training im Trainingszentrum Oberspree zu besuchen.