Heute vor 25 Jahren:

Union sichert Aufstieg in die 2. Liga am viertletzten Spieltag

Heute auf den Tag genau vor 25 Jahren ist der 1. FC Union Berlin erstmals in die zweithöchste deutsche Spielklasse aufgestiegen.

Das Ende der Saison 1999/00 war von Enttäuschung geprägt – in den entscheidenden Spielen um den Aufstieg aus der Regionalliga, der dritthöchsten deutschen Spielklasse, in die 2. Fußball-Bundesliga gegen den VfL Osnabrück und gegen LR Ahlen hatte die Mannschaft um Trainer Georgie Wassilew sich nicht durchgesetzt. So folgte 2000/01 ein erneuter Anlauf in der Regionalliga Nord, der mit vier Siegen und einem Unentschieden in den ersten fünf Begegnungen Erfolg signalisierte.

Nach dem 1:0-Auswärtssieg bei der Amateurmannschaft des SV Werder Bremen sahen die Union-Fans ihre Mannschaft erstmals auf dem führenden Tabellenplatz. Verfolger: der VfB Lübeck und der SV Babelsberg 03 – zwei Vereinen war der unmittelbare Aufstieg vorbehalten. Dem Erfolg schlossen sich am 13. Spieltag nur noch zwei Siege bis zur Winterpause nach 19 Spielen an.

Vom dritten Platz in der Tabelle aus begannen die Unioner ihren Kampf um den Aufstieg zunächst mit der 0:1-Niederlage beim VfB Lübeck und den folgenden 2:2-Unentschieden bei der SG Wattenscheid 09 und mit demselben Resultat gegen daheim Eintracht Braunschweig minder erfolgreich und mit acht Punkten Rückstand auf den Tabellenführer aus Lübeck. Hatten die Spieler um Kapitän Steffen Menze und mit dem inzwischen verpflichteten Stürmer Daniel Teixeira am Anfang des Februar noch ihre bisher sehr siegreiche DFB-Pokalwettbewerbs-Serie vorläufig mit einem eher unerwarteten 6:4-Elfmeterschieß-Heimsieg über Zweitligist Borussia Mönchengladbach im Halbfinalspiel gekrönt, hieß es nun „Fluch des Pokalfinales“.

Der Text unter dieser Überschrift von Michael Jahn in der „Berliner Zeitung“ beinhaltete Formulierungen wie „rückt der Aufstieg in die Ferne“, „Wassilew tadelt Überheblichkeit“, und auch ein Harun-Isa-Zitat: „Nur 2:2 zu Hause gegen einen Konkurrenten. Das war’s wohl.“ Eintracht Braunschweig war zu Hause empfangen worden. Wetterbedingte Spielausfälle und -verlegungen brachten außerplanmäßig den FC Sachsen Leipzig an die Alte Försterei. „Drei von 15 Punkten“ rechnete Matthias Frizsche zuvor im „Berliner Kurier“ rückwärts auf die vergangenen fünf Partien – Union greife nun „nach dem letzten Aufstiegsstrohhalm“. Den März als den „Monat der Aufstiegs-Wahrheit“ hatte er bereits von der Überschrift ausgerufen. „Der Tagesspiegel“-Kollege André Görke schuf dann auch eine ebenfalls treffende Überschrift mit den Worten „Union darf wieder träumen“ – zwei Torerfolge des neuen Union-Stürmers Daniel Teixeira und keines der sächsischen Gäste stellten den tagesaktuellen Endstand klar. Der Union-Endstand des Monats März bestand aus vier Begegnungen, vier Siegen, zwölf Punkten, sieben zu null Toren, drittem Tabellenplatz mit bester Aussicht auf den ersten. Das Union-Stadionmagazin-Autoren- und Gestalterkollektiv PROGRAMMierer ließ Gewonnen-Endstände in roter Farbe ins Heft drucken – seinen Endstand erreichte dieses Rot erst sieben Zeilen tiefer, nach also elf Siegen in Folge. Es gastierte zuvor der SV Wilhelmshaven in Berlin Köpenick.

Von Platz eins aus und mit elf Punkten Vorsprung auf einen Nichtaufstiegs-Tabellenrang gingen an diesem 34. der 38. Spieltage, am 12. Mai 2001 die Union-Spieler aufs Feld. Überwiegend vorfreudig gestimmte Zuschauer erwarteten sie im Stadion An der Alten Försterei; 6.923 zahlende. Im Stadionmagazin-Vorwort dankte Union-Präsident Heiner Bertram dem Cheftrainer Georgie Wassilew und seinen Assistenten Ivan Tischanski und Klaus-Dieter Helbig wie ebenso stellvertretend für das ganze Team auch Mannschaftskapitän Steffen Menze und ausdrücklich „in der Stunde der Freude und Euphorie“ ebenso jenen Spielern, „die selten zum Zuge kamen und trotz ihres erwiesenen fußballerischen Könnens ohne Murren“ öfter auf der Bank gesessen haben, „Jens-Uwe Zöphel, Marki Tredup, Adalbert Zafirov“.

Auch in Horst Bläsigs „Berliner Morgenpost“-Spielbericht am Folgetag kam Heiner Bertam ganz vorne und prominent zu Wort – „höchstpersönlich“ als Überbinger einer entscheidenden Nachricht über das sonst dem Stadionsprecher André Rolle vorbehaltenen Mikrofon. „Das Endergebnis in Aue lautet 1:1“. In Aue beim FC Erzgebirge hatte Aufstiegsplatz-Konkurrent SV Babelsberg nur einen Punkt gewonnen, während die Unioner selbst ihre Partie gegen die Sportfreunde aus Wilhelmshaven mit 5:0 Treffern erfolgreicher beendeten. „Union kann auf keinen Fall mehr von einem Aufstiegsplatz verdrängt werden“, formulierte Horst Bläsig treffend, egal, wie die Konkurrenz nun spiele. Zu diesem Zeitpunkt also hatten Harun Isas Tor nach elf Minuten, Oleg Golovans Eigentor in der 29. Spielminute und Daniel Teixeira in der 43. “bis zur Pause für klare Verhältnisse“ gesorgt, bevor Daniel Teixeira in Minute 57 einen Foulelfmeter und Ronny Nikol, 87. Spielminute, seine Chance nutzte. Sie hätten „das auch in dieser Höhe verdiente Endergebnis“ herausgeschossen.

Feierlichkeiten kündigten sich mithin an; recht unmittelbare zunächst – „mit den Fans in der Alten Försterei“, vermerkte Jörg Rössner in der „Berliner Zeitung“, und dann „zogen Spieler, Trainer und Präsidium zusammen um die Häuser“. Zu dem Umzug zitierte er eine knapp und präzise gehaltene Präsidenten-Aussage: „Es ging bis tief in die Nacht.“ Einiges von all dem zeigte die B.Z.“ in Bildern, wie „Aushilfs-Zapfer Ronny Nikol“ bei seinem von den Gästen begrüßten Tun am Zapfhahn in der Union-Kneipe Abseitsfalle. Drei seiner Reporter hatte das Berliner Boulevardblatt zu abendlichen und nächtlichen Recherchen ausgesandt, die in ihrer Zusammenfassung von einer Weiterfahrt nach Mahlsdorf, an den Rand der Hauptstadt, berichteten. Nach VIP-Zelt und Abseitsfalle nun Station drei bei Co-Trainer Klaus Dieter Helbig, der im Hause eines geschätzten, kompetenten und Union-zugewandten Fernsehreporters wohnte. In dessen Wohnzimmer wiederum tanzte Torwart Sven Beuckert ausgelassen mit seiner Freundin vor dem Wohnstuben-Büfettschrank, wie es Fotos eindeutig belegen. Ungeklärt in Text und Bild blieb, wie die im Hause ebenfalls herrschende heimische Katze Akebono den Abend der stimmungsvollen Art verbracht hatte. „Grillparty und Schampus“ hieß es weniger für das bis heute als heilig geltende kräftig gebaute Tier, mehr dagegen für den „B.Z.“-Autoren zufolge „zu heißer Soul-Musik“ tanzenden Heiner Bertram. Gegen zwei Uhr sei die Fete beendet gewesen, und der Trainer „hatte für gestern eine ‚Ausnüchterungsstunde‘ (Training) angesetzt.“

Denn das Spieljahr hielt noch Einiges bereit. Trug das Wilhelmshaven-Stadionmagazin die Ausgabe-Nummer 22, so war auf dem mit Nummer 23 mit dem FC Schalke 04 als Gegner kein Regionalliga-Spielpartner angegeben. Die Redakteure und Gestalter Götz Geserick, Stefan Hupe, Andreas Freese, Daniel Lange und Bernd Krüger lieferten im Heft nicht allein ausführliche Rückschau auf das unlängst Vergangene. Sie räumten mit Ulrich Prüfke dem Kapitän der Union-Pokalsiegermannschaft von 1968 Raum ein, und dieser schrieb im Vorwort von der Ausgangssituation, die der jenes Jahres sehr ähnele, „der 1. FC Union war damals und ist heute krasser Außenseiter“. Wüchsen die Union-Spieler über sich hinaus, wandte er sich indirekt an diese, „könnt ihr euch für den für den großen Favoriten Schalke 04 als ein ernsthafter aber auch unbezwingbaren Gegner entpuppen.“

Im Endspiel des DFB-Pokalwettbewerbes erwiesen die Unioner sich dann am 26. Mai 2002 als sehr ernsthafter, allerdings nicht als unbezwingbarer Kontrahent des Bundesliga-Vizemeisters, der durch ein Freistoß- und ein Strafstoßtor das Finale für sich entschied.

In die Farbgebung der Programmheft-Statistikgestaltung hatte sich unterdessen neben der Schwarz-Darstellung des Finalergebnisses noch eine weitere eingefügt; sie hielt die 1:2-Niederlage beim SC Verl fest. Einmal Grau dagegen wies das 0:0-Unentschieden beim Dresdner SC aus, bevor dann am 9. Juni 2001 im letzten Heft des Spieljahres der KFC Uerdingen als der letzte der Gegner begrüßt und mit 4:0 verabschiedet wurde. Union lag nun fünf Punkte vor den ebenfalls in die 2. Liga aufgestiegenen Babelsberg-03ern.

„Koilov (35., 88.), Teixeira mit seinem 18. Tor (47.) sowie Boszik (65.) setzten den Schlusspunkt unter eine große Union-Saison.“ – Diese Auflistung und das Sportliche nahm in Michael Kranz‘ „B.Z.“-Bericht nur fünf der 64 Zeilen ein, denn das Feierliche hatte im Stadion überwogen und auch auf dem gegenüberliegenden ehemaligen Sportplatz. In „ein Freudenhaus“ habe sich „die Alte Försterei“ nach dem Anpfiff verwandelt, es „tanzten 2000 Fans bei Freibier und heißer Musik von den ‚Riskits‘ und den ‚Hellersdorfer Hotten‘“. Musik und Freibier beschäftigen auch „Berliner Morgenpost“-Autor Hajo Obuchoff mehr als die Analyse von Taktik in erster und zweiter Halbzeit. Mit dem Hotten-Sänger, schrieb er, „malträtierte ein ausgeflippter Mann das Mikrofon mit einer Stimme, die an Reibeisen und Rabengesang erinnerte“. Doch Kunstgenuss an filigran vorgetragenem Musikgut war nicht das Thema des Nachmittages auf der zweiten Feier des Tages. Die erste zuvor, noch im Stadion selbst, hatte Ohio-Express mitgestaltet, „eine fremde Band aus dem Westen“, und deren Vortrag hatte die Anhängerschaft wohl etwas weniger begeistert. Anklang dürften auf jeden Fall die „sechs Fässer Freibier gefunden haben, die es als Nachschlag zu den 650 Litern gegeben habe, die Sponsoren „den eisernen Kehlen zur Verfügung gestellt“ hatten. Und als stets sachlicher Chronist auch dieses Tages hielt abschließend Hajo Obuchoff fest: „Um 22 Uhr versiegten die Zapfhähne.“

In Union-Trainer Georgie Wassilews Punktspiel-Aufgeboten standen 2000/01 die Torhüter Sven Beuckert, Robert Wulnikowski, und René Finger; die Verteidiger Adalbert Zafirov, Manuel Benthin, Daniel Ernemann, Tom Persich, Gert Müller und Jens Tschiedel; die Mittelfeldspieler Aidas Preiksaitis, Christian Fährmann, Steffen Menze, Ronny Nikol, Levente Bozsik, Emil Kremenliev, Hristo Koilov, Marko Tredup, Michael Zechner, Jens-Uwe Zöphel und Chibuike Okeke sowie die Angreifer Konstantin Ognjanovic, Bozo Djurkovic, Jiri Balcarek, Harun Isa und Daniel Teixeira – der mit 32 Torerfolgen, davon 18 in den 16 Spielen nach seinem Wechsel zum 1. Union Berlin, Torschützenkönig der Regionalliga Nord wurde.