Torreicher Test bei offizieller Saisoneröffnung:
Union muss sich Ipswich mit 2:4 geschlagen geben
Bei der offiziellen Saisoneröffnung der Profimänner des 1. FC Union Berlin vor dem Pflichtspielstart in der 1. Runde des DFB-Pokals liefern sich die Eisernen mit dem englischen Erstligisten Ipswich Town FC ein unterhaltsames Duell, das die Gäste am Ende mit 4:2 für sich entscheiden. Nach der frühen Führung durch Zeno Van den Bosch (9.) drehen die Gäste die Partie noch vor der Pause mit drei Treffern. Nach dem Seitenwechsel bringt Josip Juranović die Köpenicker nach feiner Vorarbeit von Rani Khedira noch einmal heran (53.), ehe Ipswich zwölf Minuten vor dem Abpfiff den 2:4-Endstand markiert.
1. FC Union Berlin: Klaus (46. Raab) – Juranović (73. Trimmel), M. Friedrich, Van den Bosch (61. Querfeld), Rothe (61. Köhn) – Jeong (61. Schäfer), Khedira (73. Haberer), Kemlein, Burcu – Latte Lath (61. Ljubičić), Ansah
Ipswich Town FC: Scherpen – O‘Shea (3. Johnson), Diop (73. Kipré), Greaves, Davis (66. Furlong) – Lukic (66. Humphreys), Nunez – Walle Egeli (73. McAteer), Clarke (73. Mehmeti), Maeda (46. Philogene) – Emersonn (66. Akpom)
Zuschauer: 12.421
Tore: 1:0 Van den Bosch (9.), 1:1 Clarke (16.), 1:2 Emersonn (40.), 1:3 O‘Shea (45.), 2:3 Juranović (53.), 2:4 McAteer (78.)
Unioner gedankenschnell beim Freistoß – Ipswich legt dreifach nach
Bei klimatischen Verhältnissen wie im Gewächshaus benötigten beide Mannschaften ein paar Minuten, um ins Spiel zu finden. Auf dem Rasen entwickelte sich zunächst ein vorsichtiges Abtasten, ehe die Eisernen mit einer Geistesblitz-Aktion die erste Duftmarke setzten. Nach einem Freistoß im Halbfeld schaltete Josip Juranović schnell, führte die Standardsituation kurz aus und schickte Wooyeong Jeong auf die Reise. Der Südkoreaner legte den Ball ins Zentrum, wo Zeno Van den Bosch im dicht besetzten Strafraum die Übersicht behielt und den Ball aus kurzer Distanz mit der Fußspitze zum 1:0 über die Linie drückte (9.). Die Antwort des englischen Erstligisten ließ jedoch nicht lange auf sich warten. In der 16. Minute setzte sich Leif Davis auf der linken Seite durch und brachte den Ball flach vor das Tor. Dort lauerte Jack Clarke und musste nur noch den Fuß hinhalten, um zum 1:1-Ausgleich einzuschieben.
Vom Gegentreffer ließen sich die Köpenicker jedoch nicht aus dem Konzept bringen. Nach einem Eckball der Gäste schalteten die Eisernen schnell um und fuhren über Emmanuel Latte Lath einen vielversprechenden Konter. Marvin Friedrich setzte den Ivorer bereits in der eigenen Hälfte in Szene, woraufhin dieser mit seiner Geschwindigkeit das Feld überbrückte und bis an den Strafraum sprintete. Sein Abschluss mit dem Innenrist segelte jedoch knapp über das Tor (20.). Nur vier Minuten später war auf der Gegenseite Carl Klaus gefordert. Als Daizen Maeda frei vor dem Schlussmann auftauchte, verkürzte der Union-Keeper geschickt den Winkel, reagierte stark und entschärfte die Chance der Gäste im Eins-gegen-Eins (24.). Auch in den Zeigerumdrehungen danach zeigte sich der gebürtige Stuttgarter im Köpenicker Kasten wachsam und parierte souverän zwei Abschlüsse aus der Distanz.
Fünf Minuten vor dem Seitenwechsel kippte die Partie zugunsten der Gäste. Nach einer Hereingabe von der rechten Seite verlängerte Sindre Walle Egeli den Ball am ersten Pfosten geschickt weiter auf Emersonn. Der Brasilianer stand am zweiten Pfosten goldrichtig und musste aus kurzer Distanz nur noch vollenden, um Ipswich erstmals in Führung zu bringen (40.). Kurz vor dem Pausenpfiff legte die Mannschaft aus dem Osten Englands noch nach. Kapitän Dara O’Shea fasste sich halbrechts vor dem Strafraum ein Herz und hielt einfach mal drauf. Sein Schuss flog unhaltbar ins lange Eck und bedeutete das 1:3 aus Sicht der Eisernen (45.). Wenig später bat Schiedsrichter Daniel Siebert beide Mannschaften zum Gang in die Kabinen.
Anschluss und dominante Hälfte der Eisernen – Tractor Boys eiskalt
Keine Minute war nach dem Wiederanpfiff gespielt, da setzte Union das erste Ausrufezeichen der zweiten Halbzeit: Livan Burcu kam nach einem schnellen Angriff zum Abschluss, verfehlte das Tor der Gäste jedoch knapp (46.). Wenig später war es erneut Burcu, der mit einem technisch anspruchsvollen Hackenpass Tom Rothe auf der linken Seite in Szene setzte. Dessen scharfe Hereingabe wurde allerdings von Ipswich-Schlussmann Kjell Scherpen abgefangen (50.).
Die Eisernen kamen mit spürbar mehr Zug zum Tor aus der Kabine und belohnten sich wenig später für ihren mutigen Auftritt. Rani Khedira hob den Ball mit viel Gefühl hinter die englische Abwehrkette, wo Juranović im richtigen Moment gestartet war. Der Kroate nahm die Vorlage dankend an und überwand Scherpen mit einem feinen Lupfer zum 2:3-Anschlusstreffer (53.). Angetrieben vom Treffer blieb Union am Drücker und setzte die Gäste weiter unter Druck. Besonders Khedira rückte nun immer wieder ins Zentrum der Offensivaktionen. Nach einem sehenswerten Zuspiel von Burcu hatte der Mittelfeldmotor rund 18 Meter vor dem Tor viel Raum vor sich und zog entschlossen ab. Sein Schuss wurde jedoch im letzten Moment von einem Ipswich-Verteidiger per Grätsche geblockt (58.).
In der Schlussviertelstunde erhöhten die Gäste mit ihrer nächsten gefährlichen Offensivaktion auf 2:4. Eine Flanke auf den zweiten Pfosten fand den kurz zuvor eingewechselten Casey McAteer, der den Ball aus der Luft direkt nahm und sehenswert im Netz versenkte (78.). Die Eisernen stemmten sich in der Folge gegen die drohende Niederlage und kamen noch zu einigen vielversprechenden Abschlüssen. Die größte Gelegenheit bot sich Tim Skarke kurz vor dem Ende: seinem Versuch fehlten nur Zentimeter, als der Ball hauchdünn am Pfosten vorbeistrich (88.). So zeigte die Anzeigetafel im Stadion An der Alten Försterei nach 90 unterhaltsamen Minuten ein 2:4 zugunsten von Ipswich Town FC.
Stimmen nach dem Spiel
“Wir sind gut ins Spiel gekommen, haben dann aber zwei Tore zu einfach gegen uns bekommen. Manche Fehler sind aber auch zu verzeihen, schließlich haben wir so in der Formation noch nicht allzu oft miteinander gespielt. In Braunschweig geht es nun darum vor allem weniger Gegentore zu kassieren”, so das Fazit von Zeno Van den Bosch nach dem Abpfiff.
“Es war eigentlich ein gutes Spiel mit einer frühen Führung. Dann haben wir aber ein paar Fehler gemacht und den Gegner oft alleine gelassen oder ihm zu viel Raum geboten. Das müssen wir analysieren und dann sind wir hoffentlich bereit für das Pokal-Spiel”, ergänzte Josip Juranović im Anschluss.
“Das Spiel heute war ein Test, um zu sehen, wo wir in unserer Entwicklung stehen. In manchen Momenten war es echt gut und auch das Konzept hat meistens gut funktioniert. Das Problem ist, dass wir hinten zu einfach die Gegentore bekommen”, lautet die Analyse von Cheftrainer Mauro Lustrinelli nach dem Duell.
Ausblick auf die kommenden Tage
Das letzte Testspiel der Sommervorbereitung ist absolviert, nun richtet sich der Fokus auf den Pflichtspielauftakt: Am Sonntag gastiert der 1. FC Union Berlin in der 1. Runde des DFB-Pokals bei Eintracht Braunschweig. Zuvor steht am Mittwoch, dem 19.08.2026, um 11 Uhr noch eine öffentliche Trainingseinheit auf dem Programm, ehe es gegen den Zweitligisten um den Einzug in die nächste Runde geht.