Erfolgreich, erstklassig, eisern:
Das Jahr 2025 der Unionerinnen
Für die Frauenmannschaft des 1. FC Union Berlin wird das Kalenderjahr 2025 als ein historisches in die Vereinsgeschichte eingehen. Nach einer fabelhaften Rückrunde im Unterhaus stiegen die Unionerinnen erstmals in die Google Pixel Frauen-Bundesliga auf und messen sich nun mit der deutschen Elite.
Grundlagen legen für den Aufstiegskampf
Bereits früh in der Saison 2024/25, nach dem Aufstieg aus der Regionalliga Nordost, zeigten die Eisernen, dass sie sich in der Spitzengruppe der 2. Bundesliga festsetzen konnten. Mit 28 Punkten aus 13 Spielen beendeten die Unionerinnen die Hinrunde auf dem zweiten Tabellenplatz, vier Punkte hinter dem Tabellenführer aus Nürnberg.
Nach einer zweimonatigen Winterpause, einem Trainingslager im sonnigen Spanien und mit fünf Neuzugängen kehrte die Mannschaft von Cheftrainerin Ailien Poese Anfang Februar in den Ligaalltag zurück. Das Auftaktprogramm mit den späteren Mitaufsteigern Hamburger SV und 1. FC Nürnberg sollte es in sich haben und sich als richtungsweisend herausstellen.
Big Points zum Jahresstart
Trotz eines frühen Rückstands nach zwei Minuten und einer Gelb-Roten Karte nach 81 Minuten drehte Lisa Heiseler mit einem Doppelpack den Rückrundenauftakt und entschied das Spiel gegen den HSV für die Köpenickerinnen. Es war der Beginn einer überragenden Rückrunde der Kapitänin von Union.
Nach dem Spitzenspiel gegen den HSV folgte das Duell gegen den Tabellenführer aus Nürnberg, das vielen Fans noch in Erinnerung sein dürfte. Im ersten Heimspiel des Jahres 2025 präsentierten sich die Gastgeberinnen in überragender Form und setzten mit dem 4:0-Sieg ein absolutes Ausrufezeichen im Aufstiegskampf.
Frankfurt bleibt Kryptonit
Auch in den Spielen danach (1:0 gegen Weinberg und 3:0 gegen Andernach) wurden wichtige Punkte eingefahren, wodurch der Vorsprung auf einen Nicht-Aufstiegsplatz am 17. Spieltag bereits auf acht Punkte anwuchs. Überraschenderweise hatte der FCU in der Rückrunde die größten Probleme mit den zweiten Mannschaften: Gegen Bayern München II gab es am 18. Spieltag beim 2:2-Unentschieden den ersten Punktverlust und gegen Eintracht Frankfurt II die einzige Niederlage (0:1), wie bereits in der Hinrunde. Es war damit die dritte Niederlage der Saison gegen die Adlerträgerinnen, nachdem man auch im DFB-Pokal gegen die SGE ausgeschieden war.
Nach der Niederlage in Frankfurt am 20. Spieltag wuchs der Rückstand auf den Tabellenführer Nürnberg auf sechs Punkte an. Somit verringerte sich auch die Wahrscheinlichkeit, Meister zu werden, da Nürnberg zu diesem Zeitpunkt sehr konstant spielte und keine Punkte liegen ließ.
In Überfallgeschwindigkeit in die Bundesliga
Nach diesem Dämpfer präsentierten sich die Rot-Weißen in der restlichen Saison dann aber in überragender Form. Ein 4:0-Heimsieg gegen Ingolstadt wurde eine Woche später durch einen erneuten 4:0-Sieg beim Aufstiegsmitkonkurrenten SV Meppen überboten. Dieser Sieg im Emsland bedeutete, dass Union am kommenden Spieltag mit einem Sieg vorzeitig aufsteigen konnte. Der Spieltag wurde durch eine Niederlage des Spitzenreiters Nürnberg perfekt gemacht, wodurch die Unionerinnen bis auf drei Punkte herankamen.
Am 23. Spieltag, drei Partien vor dem Ende, kam es zum ersten Matchball um den Aufstieg. Vor über 14.000 Zuschauern – einer neuen Zweitliga-Rekordkulisse – gab es von Anfang an nur eine Richtung und diese führte zum Gladbacher Strafraum. Bereits nach zehn Minuten führten die Köpenickerinnen durch Tore von Anna Weiß und Naika Reissner mit 2:0. Dina Orschmann und Lisa Heiseler entschieden die Partie noch vor der Halbzeit. Im zweiten Durchgang sorgten Celine Frank und Tomke Schneider für den 6:1-Endstand und zeigten einmal mehr, welche Teamleistung hinter diesem Erfolg steckt. Sechs verschiedene Torschützinnen sorgten für den erstmaligen Aufstieg in die Bundesliga. Mit dem Abpfiff brachen dann alle Dämme und die Mannschaft feierte auf dem Platz den bis dahin größten Erfolg der Geschichte.
Nürnberger Niederlage eröffnet perfekten Saisonschlussspurt
Nach ein paar Tagen großer Freude und Feierei kehrte der Fokus dann aber wieder zum Sportlichen zurück, denn es standen noch drei Begegnungen aus. Spätestens einen Tag vor dem Aufeinandertreffen mit dem SC Freiburg II war allen Beteiligten klar, dass sie die letzten drei Spiele unbedingt gewinnen mussten, denn der 1. FC Nürnberg verlor beim Hamburger SV mit 0:2 und bot somit Union die Möglichkeit, vorbeizuziehen. Dies gelang in einer umkämpften Begegnung mit einem 3:2-Arbeitssieg. Den entscheidenden Treffer erzielte dabei Einwechselspielerin Korina Janez. Eine Woche später stand der letzte Auswärtsauftritt der Saison in Bochum an. Beim VfL sorgten Lisa Heiseler und Nele Bauereisen mit jeweils einem Doppelpack für den 5:2-Auswärtserfolg. Besonders sehenswert war dabei ein direkt verwandelter Eckstoß von Unions Nummer 7.
Somit bot sich für den letzten Spieltag eine perfekte Ausgangslage: Mit einem eigenen Erfolg gegen die bereits abgestiegenen Gütersloherinnen konnte Union als Aufsteiger die Meisterschaft aus eigener Kraft perfekt machen. Im Stadion An der Alten Försterei boten die Rot-Weißen den 20.132 Zuschauern – erneuter Zweitliga-Rekord – ein tolles Fußballspiel. Innerhalb von vier Minuten (18. bis 22. Minute) erzielten Dina Orschmann und Lisa Heiseler drei Treffer und brachten den FCU in Führung. Nach der Halbzeit sorgten zwei weitere Tore von Lisa Heiseler und ein Abschiedstor von Torjägerin Sarah Abu Sabbah für den 6:0-Endstand.
Mit 19 Siegen, fünf Unentschieden, zwei Niederlagen, 62 Punkten und 71:17 Toren stand Union als Zweitliga-Meister fest. Auf und neben dem Rasen gab es kein Halten mehr und bei all den Bierduschen kamen die Kameras gar nicht so schnell hinterher. Es sollte allerdings nicht der einzige Titel bleiben, der an diesem Tag an der Alten Försterei gefeiert wurde. Lisa Heiseler sicherte sich mit 22 Toren, davon 19 in den 13 Spielen im Jahr 2025, die Torjägerkanone der 2. Bundesliga. Die Kapitänin traf in jedem Rückrundenspiel, außer bei der 0:1-Niederlage in Frankfurt. In zwei Spielen erzielte sie sogar einen Dreierpack.
Der Aufstieg der Frauen und der Klassenerhalt der Männer wurden anschließend gemeinsam ausgiebig mit den Fans auf dem Stadion-Balkon gefeiert – eine Party, die bis tief in die Nacht andauerte. Es war ein Meilenstein, auf den beim 1. FC Union Berlin, spätestens seit der Professionalisierung der Frauenabteilung, alle hingearbeitet hatten.
Gleichzeitig stellte die Spielzeit 2024/25 aber auch das sportliche Ende für einige Aufstiegsheldinnen dar: Sarah Abu Sabbah, Charleen Niesler, Sarah Hornschuch, Zita Rurack, Sophie Trojahn, Anouk Blaschka, Ginger Schulz, Latoya Bach, Eleni Markou, Marie Becker, Maria Cristina Lange und Pia Metzker verließen den 1. FC Union Berlin mit dem größten Erfolg der Teamgeschichte.
Mit einer durchschnittlichen Zuschauerzahl von 7.190 war Union bereits in der 2. Liga der Verein mit den meisten Besuchern in Deutschland. Auch im europaweiten Vergleich ergab sich mit über 7.000 Zuschauern ein überragender vierter Platz unter allen Klubs.
Das Warten hat ein Ende – Unions Premiere in der Bundesliga
Nach erfolgreichen sportlichen und medizinischen Tests starteten die Unionerinnen am 21. Juli 2025 in die Vorbereitung auf ihre erste Bundesliga-Saison. Mit dabei waren die vier Sommerneuzugänge Eileen Campbell, Samantha Steuerwald, Sophie Weidauer und Anna Aehling. Die Nationalspielerinnen Tanja Pawollek, Hannah Eurlings und Nadine Böhi stießen nach der EM zum Team. Auch im Trainer- und Funktionsteam gab es mit Sabrina Eckhoff, Simon Falke, Alisa Vetterlein, Bao Nguyen, Lea Schneider, Viktoria Tänzer und Jan Walle umfassende Verstärkung.
Die intensive Sommervorbereitung fand ihren Höhepunkt im Trainingslager in Klosterpforte. Besonders überzeugend waren die Siege gegen Pogoń Stettin (2:1) und den VfL Wolfsburg (2:0). Es folgten weitere Tests gegen Real Madrid vor heimischem Publikum (1:3) sowie gegen Aston Villa (0:1). Kurz vor Saisonstart verpflichtete Union zudem die dänische U-Nationalspielerin Alma Aagaard.
Euphorie, Ekstase, Ernüchterung
Am 7. September war es so weit: Mit einem 1:1 gegen den 1. FC Nürnberg feierte Union seine Premiere im deutschen Fußball-Oberhaus und holte gleichzeitig den ersten Punkt in der Bundesliga. Nach 41 Spielminuten erzielte ausgerechnet Kapitänin Lisa Heiseler per Elfmeter den ersten historischen Bundesliga-Treffer der Eisernen. Trotz einer starken Vorstellung kassierten die Unionerinnen in der 90. Minute den späten Ausgleich.
Auch der erste Auswärtsauftritt am zweiten Spieltag bot Spannung pur: Die Berlinerinnen kämpften sich gegen Bayer 04 Leverkusen trotz eines frühen 0:2-Rückstands zurück, mussten sich jedoch knapp mit 2:3 geschlagen geben.
Eine Woche, drei Spiele, drei Siege
Den historischen ersten Sieg in der höchsten Spielklasse feierte die Mannschaft am 3. Spieltag: Vor 7.184 Zuschauern im Stadion An der Alten Försterei traf die SGS Essen auf ein entschlossenes Union-Team, welches sich durch ein Eigentor und den Premierentreffer von Sophie Weidauer mit 2:0 durchsetzte. Ein Erfolg, der für immer in die Geschichte des 1. FC Union Berlin eingehen wird.
Nur drei Tage nach dem ersten Heimsieg folgten die ersten drei Punkte in der Fremde: Die beiden Zwillinge Katja und Dina Orschmann erzielten an einem Dienstagabend vor über 300 mitgereisten Unionern die Tore zum 2:1-Sieg gegen den FC Carl Zeiss Jena. Die perfekte englische Woche wurde mit einem 2:0-Pokalerfolg beim 1. FSV Mainz 05 abgerundet – drei Siege in acht Tagen und der Einzug ins DFB-Pokal-Achtelfinale.
Freiburg-Frust, Köln-K.O. und Leipzig-Lehrstunde
In den folgenden Wochen musste die Poese-Elf zwei Niederlagen hinnehmen: 0:3 gegen Freiburg und 1:2 in Köln. Doch am 7. Spieltag setzten die Unionerinnen ein Ausrufezeichen: Mit einem furiosen 5:0 gegen RasenBallsport Leipzig im heimischen Stadion kletterten sie in der Tabelle wieder nach oben. Auffälligste Akteurin war hierbei Neuzugang Eileen Campbell, die an vier der fünf Treffer beteiligt war.