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Hertha BSC vs 1. FC Union Berlin

2. Bundesliga - 21. Spieltag

Hertha vs 1. FC Union

2. Bundesliga - 21. Spieltag

Sa., 05. Februar 2011, 13:00 Uhr
Olympiastadion
1 : 2
74.244
SR: Dr. Jochen Drees (Münster-Sarmsheim) | Assistenten: Bauer, Assmuth, Vierter Offizieller: Bastian Dankert

Unglaublich! Sensationell! Historisch! - 1. FC Union Berlin schnappt sich den Derby-Sieg im Olympiastadion

Spielbericht

Schon zwei Stunden vor dem Spiel war die knisternde Atmosphäre mit den Händen zu greifen. Tausende Unioner machten sich von der Weltzeituhr am Alexanderplatz aus auf den Weg in das Olympiastadion und tauchten anschließend die Blöcke um das Marathontor weitläufig in leuchtendes Rot. Solch eine Kulisse kennt das Charlottenburger Olympiastadion sonst nur vom Pokalfinale. Für die Anfangself nahm Uwe Neuhaus im Unterschied zum Paderbornspiel auf drei Positionen Änderungen vor. Patrick Kohlmann, Dominik Peitz und Santi Kolk begannen für Macchambes Younga-Mouhani, Paul Thomik und Halil Savran. Taktisch spielte Union im 4 – 1 – 4 – 1 mit folgender Mannschaft:

Höttecke – Menz, Stuff, Göhlert, Kohlmann – Peitz, Parensen (5.Thomik) – Kolk (87. Brunnemann), Mattuschka, Ede (58. Benyamina) – Mosquera

Ein Kuschelkurs war auf dem Spielfeld ab dem ersten Moment nicht zu spüren. So musste Michael Parensen nach einem harten Zweikampf bereits nach fünf Minuten ausgewechselt werden. Mit Schädel-Hirn-Trauma ging es für ihn auf direktem Weg ins Krankenhaus, wo er mindestens 24 h zur Beobachtung bleiben muss. Für Parensen kam Paul Thomik in die Partie. Christoph Menz rückte ins Mittelfeld und kümmerte sich um Raffael, Paul Thomik besetzte die rechte Außenposition in der Viererkette. Union, nach dem Spielerwechsel zunächst um Ordnung bemüht, hatte zu Beginn wenige Möglichkeiten, selber Offensivakzente zu setzen. Die erste Chance des Spiels hatte dann auch der Gastgeber und nutzte diese prompt zur Führung (14.). Ein misslungener Befreiungsschlag von Dominic Peitz landete bei Andre Mijatovic, dessen Flanke am langen Pfosten den Kopf von Roman Hubnik fand, der die Kugel über die Linie drückte. Der Rückstand war eine bittere Pille für die Mannschaft von Uwe Neuhaus, die nachwirkte. Vier Minuten später hatte Ramos, aus spitzem Winkel, den Ausbau der Führung auf dem Fuß. Marcel Höttecke vereitelte diese Chance aber reaktionsschnell. Der selbstbewusste Spitzenreiter ließ den Eisernen im Mittelfeld keine Räume und stellte die Unioner Hintermannschaft weiter vor Probleme. Das erste Mal Torgefahr strahlte Chinedu Ede aus, dessen Schuss nach Freistoß von Torsten Mattuschka abgeblockt wurde (23.). Das Spiel verflachte dann ein wenig, bis es zum „Hallowach“ durch John Jairo Mosquera kam. Der Kolumbianer sorgte mit seinem Ausgleich für die Stimmungsexplosion auf Seiten des Unioner Anhangs. Sein 4. Saisontor erzielte „Mosquito“ nach langem Ball von Christian Stuff, den er mit rechts aus 18 Metern über den chancenlosen Maikel Aerts zum Ausgleich verwertete. Union schien mit dem Treffer „wachgeküsst“ und setzte nach, sodass es mit Zuversicht in die Kabine ging.

Ohne Wechsel begannen beide Mannschaften den zweiten Durchgang und Union hielt den ausgangs der ersten Hälfte entfachten Druck aufrecht. Mit schnell vorgetragenen Kontern zeigte das Team seinen Appetit auf mehr. Benyamina kam nach einer knappen Stunde als zweite Spitze für Chinedu Ede - ein klares Zeichen von Uwe Neuhaus. Doch waren Torchancen zunächst Mangelware und Hertha nahm das Spielgeschehen nach und nach wieder in Besitz. Nach 64 Minuten brannte es dann lichterloh im Strafraum der Unioner. Raffael legte auf Ramos ab, dessen Versuch dann aber einige Meter am Kasten von Marcel Höttecke vorbeiging – das war großes Glück in dieser Szene. In der Folge kamen Freunde der rustikaleren Gangart auf ihre Kosten. Nach Fouls an Mosquera und Kohlmann sorgten die direkten Freistöße von Kapitän Mattuschka zunächst für Entlastung, und zur grenzenlosen Freude des lautstarken Köpenicker Anhangs auch für die 2:1-Führung (72.)! Maikel Arts machte sich so lang er konnte und doch nicht lang genug. Passgenau fand der Ball seinen Weg über die Linie und zappelte im Netz - unbändige Ekstase in den Gästeblöcken. Klar musste Hertha vor eigenem Publikum nun mehr investieren und tat dies auch. Die Angriffe wogten Welle um Welle auf die Unioner Hintermannschaft zu – es war eine leidenschaftliche Abwehrschlacht um jeden Zentimeter Rasen. Drei nicht enden wollende Minuten ließ Schiedsrichter Dr. Jochen Drees nachspielen und forderte allen, die es mit dem 1. FC Union Berlin hielten, das Äußerste ab. Der erlösende Schlusspfiff entfesselte grenzenlosen Jubel und machte das schier Unglaubliche wahr: Union gewinnt auswärts gegen Hertha BSC 2:1.

Uwe Neuhaus analysierte das Duell im Anschluss betont sachlich. „Als krasser Außenseiter sind wir glücklich und auch ein bisschen stolz heute gewonnen zu haben. Die Atmosphäre hatte am Anfang großen Einfluss auf unser Spiel, sodass wir ein wenig beeindruckt waren. Hätte Hertha nach der Führung mehr gemacht, hätten wir Probleme bekommen. Mit dem 1:1 ist der Glaube in die Mannschaft, den Sieg packen zu können, zurückgekehrt. Das Freistoßtor von Torsten Mattuschka bedeutet in einem solchen Derby dann eben unseren Sieg.“

Sein Gegenpart Markus Babbel war hingegen sichtlich angefressen: „Es war ärgerlich, dass wir die Vielzahl an Torchancen nicht nutzen konnten. Wir sind da einfach zu nachlässig gewesen, wenn wir das zweite Tor erzielen, läuft das Spiel anders. Aber Fußball ist kein Wunschkonzert und ich muss mich bei den Fans entschuldigen. Die Schmach müssen wir jetzt eine Woche lang ertragen.“

Mit dem Rückenwind aus diesem historischen Derby-Sieg trifft Union am kommenden Freitag, den 11. Februar 2011 um 18:00 Uhr im Stadion An der Alten Försterei auf den VfL Osnabrück.

„Am Mute hängt der Erfolg“: Offensive und Zweikampfstärke als Schlüssel zum Punktgewinn

Vorbericht

Wenn die Unioner nach dem Spiel nach Hause gehen, dann am liebsten mit einem Punkt oder mehr im Gepäck. Was gäbe es schöneres, als vor knapp 75.000 Zuschauern, darunter gut und gerne 20.000 Unioner, Zählbares aus dem Olympiastadion fortzuschaffen. In der sportlichen Abteilung steht man dem Derby-Hype der letzten Tage erwartungsgemäß sachlich gegenüber. Das Spektakel interessiert ausschließlich am Rande und wenn überhaupt nur auf Nachfrage. „Die Jungs müssen sich auf ihr Spiel konzentrieren. Die Szenerie kann man auch nach dem Spiel noch genießen“, rät Ahmed Madouni seinen Kollegen. Selbst kann der in Marokko geborene Verteidiger, der sich aus Dortmunder und Leverkusener Zeiten mit großen Derbys auskennt, verletzungsbedingt noch nicht wieder im Aufgebot stehen. Die Einschätzung von Uwe Neuhaus folgt der seines Innenverteidigers: „Für einige der Spieler ist dieses Duell eine einmalige Gelegenheit vor solch einer Kulisse zu spielen. Jeder wird wissen, was er zu tun hat. Es gilt, sich sorgsam auf das Geschehen auf dem Platz zu konzentrieren.“

Und so bleibt es ein Spiel um Punkte, ganz wichtige Punkte gegen das Abrutschen in die Abstiegszone. Hoffnungslos ist der Ausflug nach Charlottenburg für die Mannschaft von Uwe Neuhaus unterdessen nicht. Union hat zuletzt gegen Paderborn 0:2 verloren, an und für sich nicht erfreulich. Doch folgte auf die Pleite gegen den SCP in der Hinserie - in gleicher Höhe - ein gefeiertes 1:1 gegen den jetzigen Spitzenreiter. Diese Parallele hilft, um aus der Niederlage des zurückliegenden Wochenendes ein Mindestmaß an Zuversicht zu ziehen. Drei Punkte hätten natürlich mehr geholfen, keine Frage.

„David gegen Goliath“, „Gallisches Dorf gegen Römisches Reich“ - die medial bemühten Bilder passen ganz gut, was den bisherigen Saisonverlauf beider Vereine betrifft, konstatiert auch Uwe Neuhaus: „Der Tabellendreizehnte trifft auf den Ersten - eine der schwächsten Auswärtsmannschaften auf eines der heimstärksten Teams der Liga. Folglich sind wir deutlicher Außenseiter, was nichts daran ändert, dass wir trotzdem gut spielen wollen. Das versteht sich von allein“, so der Trainer.  Ein Derby habe immer seine „eigenen Gesetze“, erklärte Uwe Neuhaus, der von seiner Mannschaft einen unerschrockenen Auftritt sehen möchte: „Wir wollen den Unionern ein gutes Spiel zeigen.“

Der Mannschaft von Hertha-Trainer Markus Babbel eilt indes der Ruf voraus, der „FC Bayern der 2. Liga“ zu sein. Woher kommt dieses Prädikat? Ursächlich für den recht unbeschwerten Galopp durch die Liga ist zuvorderst die Qualität und individuelle Klasse des Kaders. „Hertha BSC gehört sicherlich nicht in die 2. Bundesliga“, befindet Teammanager Christian Beeck.  Raffael, Peter Niemeyer und Stürmer Rob Friend gehören zum gestandenen Erstliga-Personal der Charlottenburger. Doch schon das Hinspiel hat gezeigt, dass - nach Theodor Fontane - „am Mute der Erfolg hängt“. „Uns ein 0:0 zu ermauern, kann nicht die Lösung sein. Unser Weg führt über Zweikampfstärke und mutiges Spiel nach vorne“, so die Vorstellung des Trainers. Christian Beeck geht einen Schritt weiter und misst dem Spiel noch eine andere Bedeutung bei: „Vor dieser großen Kulisse können wir mal darstellen, was wir uns in den letzten Jahren erarbeitet und erkämpft haben. Entsprechend werden wir auftreten und am Ende schauen, was dabei herauskommt“, so das emotionale Plädoyer des Teammanagers.

Personell bleibt die Situation bei Union stark angespannt. Die Gewissheit über die Einsätze von Patrick Kohlmann und Christoph Menz steht noch aus. Michael Parensen kämpft mit Schmerzen im Knie und auch Björn Brunnemann behinderten zuletzt Rippenprobleme. Dominic Peitz testet in den abschließenden Einheiten seine neue, aus Silicon gefertigte, Maske. Wie die Aufstellung aussieht, wird Uwe Neuhaus also erst am Sonnabend endgültig festlegen können.

Torsten Mattuschka

Torsten Mattuschka

ist Spieler des Tages bei unserem Spiel gegen Hertha

Torsten Mattuschka

ist Spieler des Tages gegen Hertha

SpielStatistiken

Hertha BSC vs 1. FC Union Berlin

2 Gelbe Karten 3
0 Gelb-Rote Karten 0
0 Rote Karten 0

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