Mahlzeit!

Dirk Zingler im Interview (Teil 4)

So, 11. Mai 2014
Dirk Zingler im Interview (Teil 4)

Am vergangenen Wochenende fand das Exilertreffen der Unioner statt. Auch in Aalen endete das Treffen wieder mit dem traditionellen Frühschoppen, bei dem Union-Präsident Dirk Zingler sich den Fragen von André Rolle und Rocco Schlichting vom Orga-Team stellte.

Das Interview gibt's in gekürzter Fassung im Programmheft zum letzten Heimspiel gegen 1860 München und in voller Länge hier auf der Homepage in vier Teilen. Heute der letzte Teil:

<< Teil 3

Wir geben ja immer Saisonziele aus. In diesem Jahr ist es, da sind wir uns sicher einig, nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben. Natürlich wollen wir sportlich irgendwann an die Tür der ersten Liga klopfen. Aber was ist auch wichtig, außer an Aufstiege zu denken?

Das Wort Aufstieg sollten wir alle nur in den Mund nehmen, wenn wir auch bereit dazu sind. Wenn die Grundstimmung dahin geht, wenn die Menschen daran glauben, wenn die Spieler daran glauben. Wenn der gesamte Verein von der Putzfrau bis zum Präsidenten, also wirklich alle, daran glauben. Das muss sich gegenseitig befruchten. Der Funke muss auf den Kader überspringen. Oder der Funke vielleicht vom Kader auf die Fans. Ich glaube, wir werden das alle spüren, wenn es soweit ist.

Ich will das nicht terminieren, sondern wir müssen immer gucken, wie das Wettbewerbsumfeld ist. Im nächsten Jahr, werden wir vielleicht zwei Mal nach Hamburg fahren dürfen. Wir werden nach Leipzig müssen. Das heißt, wir werden wieder Mannschaften in der zweiten Liga haben, die sich erheblich absetzen, allein von ihren Möglichkeiten zum Rest der Liga. Da muss man klug sein.

Ich glaube, wir sollten so weiter machen wie bisher. Gut und fleißig arbeiten, mehr gute als schlechte Transfers durchführen. Dann wird sich der Erfolg einstellen. Erfolg definiert ja auch jeder für sich anders. Der eine will unbedingt in die 1. Liga, der andere ist mit dem zufrieden, was wir haben.

Wir sind nicht zufrieden, mit dem was wir haben. Wir müssen uns weiterentwickeln, denn wenn wir das nicht tun, wenn wir nicht diesen Ehrgeiz haben besser zu werden, dann werden wir überholt. Dann geht es ganz schnell wieder nach unten. Wenn es uns trotzdem erwischt, aus welchen Gründen auch immer, wenn wir nicht viel falsch gemacht haben, sondern es einfach nur schlecht gelaufen ist - sowas gibt es ja auch - dann ist es halt soweit.

Wir haben mit Uwe Neuhaus quasi Trainer und Sportdirektor gleichzeitig verloren. Warum haben wir keinen Sportdirektor? Sowas hat ja Vor- und Nachteile. Warum belassen wir die Verantwortung bei einer Person und splitten das nicht auf zwei Personen?

Wir fahren mit der Struktur, die wir haben seit vielen Jahren sehr gut. Ich habe es auf der Mitgliederversammlung mal vorgestellt. Wir haben vor drei oder vier Jahren in der Profiabteilung ein Qualitätsmanagement-System im Bereich Transfers eingeführt. Zu jeder Transferentscheidung müssen bei uns sechs Personen eine schriftliche Stellungnahme abgeben. Dazu gehören drei Fußballlehrer, Öffentlichkeit, Kaufmann und und und.

Jetzt können wir gerne zu den drei Fußballlehrer-Meinungen noch eine vierte dazu nehmen. Meistens sind die Sportdirektoren aber keine Fußballlehrer. Ich find es merkwürdig, dass der Sportdirektor Vorgesetzter des Trainers ist, aber meist schlechter qualifiziert ist als dieser. Woher nimmt er eigentlich seine Qualifikation, eine Leistung des Trainers einschätzen zu können? Es gibt ganz wenige Sportdirektoren, die mal Trainer waren. Die meisten Sportdirektoren kommen entweder aus dem Management oder sind ehemalige Spieler. Oft ist ihre einzige Qualifikation ehemaliger Spieler zu sein. Das ist mir zu wenig für den Posten eines Sportdirektors.

Bei mir hat sich niemand beworben, der tatsächlich den Nachweis erbracht hat, besser zu sein als ein Cheftrainer. Und wen soll ich denn dann die Entscheidung treffen lassen? Dem höher qualifizierten oder dem, der im deutschen Fußball Sportdirektor oder Manager heißt. Diese gehören zu den am wenigsten qualifizierten Personen im gehobenen Management in Deutschland. In der freien Wirtschaft würde es so etwas nicht geben.

Man kommt in diesen Job ohne Ausbildung. Du bist ehemaliger Spieler, hast zum Bsp. 62 Zweitligaspiele und 30 Erstligaspiele gemacht und bist befähigt Sportdirektor zu werden? Überall in der freien Wirtschaft muss ich mich für Führungstätigkeiten qualifizieren. Im Fußball ist das leider nicht so. Und deshalb hat bei uns immer der am höchsten Qualifizierte das letzte Wort. Wie in jedem anderen Unternehmen auch. Das sollte bei einem Fußballverein bitte der Cheftrainer sein. Wenn der Sportdirektor kompetenter ist, als der Cheftrainer, dann sollte der Sportdirektor Cheftrainer sein. In anderen Ländern gibt es diesen Begriff überhaupt nicht.  Es ist ein Modell das eigentlich nur in Deutschland existiert. Wir (Union) brauchen das nicht.

Die Profimannschaften müssen ab nächster Saison keine U23 mehr haben. Ihr habt euch sehr schnell positioniert und gesagt, wir behalten unsere U23, weil sie wichtig ist für uns. Wie sieht der weitere Umgang mit der U23 aus? Wie sieht dort die mittelfristige Perspektive in Sachen Spielorte und die Gesamtentwicklung  aus?

Wir haben gemeinsam entschieden, dass wir unsere U23 behalten werden. Wir werden diese Entscheidung jedes Jahr überprüfen. Es sollte wirklich immer inhaltlich entschieden werden. Es gibt ja auch die Möglichkeit, dass man aus der A-Jugend die Jungs gleich in den Profikader nimmt. Da gibt es unterschiedliche Philosophien.

Wir haben für dieses Jahr den Antrag gestellt, dass das Hauptstadion der U23 das Zoschke-Stadion in Lichtenberg wird. Alle sicherheitsrelevanten Spiele sollen in der Alten Försterei stattfinden. Das heißt, es soll in der nächsten Saison 4 - 5 Spiele an der Alten Försterei geben und 10 Spiele im Zoschke.

Thema Nachwuchsleistungszentrum. Du warst mit dem Bezirk am Tisch hast du gesagt. Gibt es Neuigkeiten zum Standort? Gibt es schon Entscheidungen?

Das ist ein zäher Vorgang. Wir haben das Tempo ein bisschen erhöht und offiziell eine Bauvoranfrage gestellt. Das ist ein Vorgang, bei dem die Behörde prüfen und sich rechtlich auch äußern muss. Das heißt, wir zwingen jetzt den Bezirk, sich rechtlich und fachlich mit dem Standort auseinander zu setzen.

Wir haben die Bauvoranfrage für das FEZ gestellt. Dort wollen wir uns weiterhin ansiedeln. Dirk Thieme ist dort mit dem Bezirk in zähen, schwierigen Verhandlungen. Es gibt einfach keine so große Fläche im Bezirk, die ohne Baumbestand ist. Wir haben natürlich versucht, dort im FEZ die Sportplätze so anzulegen, dass es möglichst wenig Verlust an Natur gibt. Wir hoffen, dass wir da einen positiven Bescheid bekommen.

Ich glaube, wenn alles normal läuft, ohne zusätzliche Komplikationen, werden wir bestimmt 3- 5 Jahre brauchen, um das Nachwuchsleistungszentrum zu eröffnen. Es muss ein Bebauungsplanverfahren eingeleitet werden. Da kann es Einsprüche und Rechtsstreitigkeiten geben. Selbst wenn in diesem Jahr der Standort feststeht. Dann beginnt erst der eigentliche Prozess.