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FuMA I Interview mit Dirk „Eldi“ Thieme

Fr, 29. April 2016
FuMA I Interview mit Dirk „Eldi“ Thieme

Die AG Faninteressen der Fan- und Mitgliederabteilung (FuMA) ist in den letzten Monaten unterwegs gewesen, um vor Ort mit den UFCs Probleme, Anliegen und Meinungen rund um das Vereinsgeschehen und das Stadion an der Alten Försterei direkt zu besprechen. Präsidiumsmitglied Dirk „Eldi“ Thieme hat sich bereit erklärt, in einem längeren Gespräch einige von diesen Anliegen mit Bea von der AG Kommunikation und Jacob von der AG Faninteressen zu besprechen.

Bea: Eldi, was Leichtes zum Anfang: welche Rolle spielen für dich Fans in einem Fußballverein?

Eldi: Ihr fangt ja gleich gut an! (lacht) Na was glaubt ihr denn, warum ich hier, bei Union bin?!? Wir gehen doch nicht, oder nicht immer, allein nur wegen des tollen Fußballs hierher… Was mich, wie viele andere auch, ursprünglich zuerst beeindruckt hat, waren (und sind) die Fans und das Stadion!

Bea: Du bist ja nun seit 2009 Präsidiumsmitglied, wie nah bist du denn noch an den Fans dran?

Eldi: Vor zehn, zwölf Jahren waren wir (das Präsidium, Anm. d. Red.) vielleicht noch näher dran, aber ich glaube, wir alle sind noch immer sehr nah an den Fans geblieben. Die Kontakte zu den - vor allen uns persönlich bekannten - Unionern sind ja nicht abgerissen, nur weil wir jetzt in Gremien sitzen. Zudem nehme ich auch noch immer aktiv am Forenleben teil und verwende viel Zeit darauf, wenigstens zu lesen. Insgesamt würde ich sagen, verglichen mit anderen Profivereinen, sind bei uns die Verantwortlichen sehr nah bei den Fans und auf Augenhöhe. Das nimmt man vielleicht nach außen nicht immer so wahr, aber es gibt unzählige Treffen pro Jahr, an denen wir teilnehmen, dazu die sozialen Medien … Ich glaube, wir wissen relativ gut Bescheid.

Jacob: Das Präsidium arbeitet bekanntlich ehrenamtlich. Wie schaffst du es persönlich bei den ständig  sich verändernden und wachsenden Anforderungen – zum Beispiel Stadion, Trainer, sportliche Entwicklung, Politik – überhaupt noch, Fanbelange wahrzunehmen?

Eldi: Der Tabellenplatz ist tatsächlich in den letzten Jahren die knappste Entwicklung. Der Verein ist derweil immens gewachsen und wächst weiter, die Anforderungen werden immer größer und vielfältiger, zuletzt kam auch sehr überraschend noch die eigenverantwortliche Übernahme des Merchandisings hinzu. Daher sind wir dabei, uns breiter aufzustellen und die Last auf mehrere Schultern zu verteilen. Wir waren ja eigentlich immer eher recht wenige Leute, was man auch an einer gewissen Ämterhäufung merkt. Die zu bearbeitenden Themen werden aber immer mehr, die Zeit bleibt begrenzt, also müssen wir das besser verteilen, sonst kommen wir tatsächlich nicht mehr hinterher.

Jacob: Das heißt doch aber, dass man darum kämpfen muss, dass die Fannähe erhalten bleibt?

Eldi: Ja, genau das tun wir ja. Dazu soll auch die Umstrukturierung im Verein, mit den neu geschaffenen Geschäftsbereichen und den verantwortlichen Geschäftsführern beitragen. Wir als Präsidium wollen uns aus den gewöhnlichen Alltagsthemen wieder etwas mehr herausnehmen und mehr die Zeit haben für die grundsätzlichen Fragen: Wo entwickeln wir uns als Verein denn eigentlich dauerhaft hin? Wie wollen wir unsere Ziele erreichen? Dazu ist auch die Fannähe nötig und wir wissen, dass wir dafür bald wieder mehr Zeit haben, als vielleicht in den letzten Jahren, in denen wir uns zuvorderst mit dem Bau und tausend anderen Dingen beschäftigt haben.

Bea: Bleiben wir gleich beim Bau: Wie fanfreundlich ist (denn) unser Stadion?

Eldi: Das Stadion ist sicherlich einzigartig, allein durch den großen Anteil der Stehplatzbereiche. Die Entscheidung dafür wurde gemeinsam getroffen und ist sehr fanfreundlich. Ich denke, auch unser Catering ist fanfreundlich …

Bea: Inwiefern?

Eldi: … von der Anzahl der Versorgungsmöglichkeiten, den kurzen Wegen zu den vielen Verkaufsständen - bei uns muss man nicht das Stadion verlassen, um ein Bier zu bekommen. Auch die Musik und insgesamt das, was im Stadion passiert oder gerade eben auch nicht, halte ich für sehr fanfreundlich. Allerdings sind wir noch nicht in allen Details da, wo wir hinwollen. Beispielsweise die WC-Situation kommt da immer wieder zur Sprache…

Jacob: …sicherlich völlig überraschend …

Eldi: … natürlich nicht, denn ich kenne diese Frage von Haupt- oder Mitgliederversammlungen zur Genüge, aber dazu kann ich hier ja mal etwas differenzierter ausführen.

Jacob: Okay, wie steht es denn um das „Schnelle Pinkelerlebnis“?

Eldi: Die Toilettensituation ist in den zurückliegenden Jahren mit dem Stadion mitgewachsen und sie wird es künftig auch weiter tun. Zu dem Uraltbestand, den wir mit der Stadionübernahme 2008 erworben haben, wurde in den Jahren nach und nach immer etwas nachgebessert. Mit dem Bau der Haupttribüne wurden für die Sektoren 1 und 2 ausreichend WCs geschaffen, für das „schnelle männliche Pinkelerlebnis“ sind wir inzwischen in allen Sektoren gut ausgestattet. Wir haben inzwischen in Summe gar schon mehr als die in den Vorschriften vorgeschriebenen Bedürfnisstände, a.k.a. Urinale. Anders sieht es noch immer bei den WCs aus, sowohl für die Damen als auch für die Männer. Insbesondere abseits der Haupttribüne ist hier wirklich noch reichlich Verbesserungsbedarf vorhanden. Aber grundsätzlich ist es in jedem Stadion der Welt, also somit auch An der Alten Försterei mit seiner begrenzten Fläche, schwierig bis unmöglich, genügend Toiletten genau für den Fall vorzuhalten, wenn innerhalb der Halbzeit jeder zweite unserer rund 20.000 Besucher mal schnell ein Bier wegbringen und ein neues holen möchte. Nur wenn es 4-0 steht, was ja unlängst zum Glück ein paarmal vorgekommen ist, gehen die Leute entspannt auch mal in der 85. Minute zur Toilette … Wir bleiben aber dran und suchen auch künftig ständig nach Möglichkeiten, die Menge und Qualität der sanitären Anlagen bei uns im Stadion zu verbessern.

Bea: Es gab vor längerer Zeit für ein paar Spiele diese Festivalminipissoirs, obwohl die für Frauen recht unansehnlich  waren…

Eldi: …nicht nur für Frauen. Diese „Zitronenpressen“ waren im Testversuch zwar durchaus effektiv, aber für die Umstehenden nicht immer schön anzuschauen. Also haben wir lieber mittels der neuen die neue Containeranlage hinter der Gegengerade das Angebot an Urinalen erhöht.

Bea: Kommen wir zurück zum ersten Teil der Versorgung. Viele kritische Fragen drehen sich um den Bierpreis, zu kleine Würste … wo seht ihr beim Catering Optimierungsbedarf oder –potenzial?

Eldi: Viele Leute im Stadion zu haben, bedeutet auch gleichzeitig, viele unterschiedliche Meinungen zu hören. Aber verbessern kann man natürlich auch hier immer etwas. Wobei, insbesondere bei stadionübergreifenden, ligaweiten Vergleichen kommen wir oftmals nicht allzu schlecht weg. Der Bierpreis ist aufgrund des Einkaufspreises und des vor einem Jahr eingeführten Mindestlohnes eigentlich nicht zu ändern, andere Getränke werden in ihrer Menge ohnehin deutlich weniger nachgefragt. Natürlich könnte man darüber diskutieren, ob man mal einen Vertrag mit einem anderen Bratwurstlieferanten abschließt. Wie immer ist auch das aber eine Geschmacksfrage und wir fühlen uns von unserem regionalen Anbieter aus Eberswalde hier bestens versorgt. Gut, insbesondere bei der Wurst und dem Fleisch ist es auch immer eine Frage der richtigen Zubereitung. Wir kennen natürlich die Probleme, dass ab und an auch mal eine Wurst vom Rost kommt, die womöglich außen etwas zu schwarz oder innen noch etwas zu roh ist. Beim Weihnachtssingen beispielsweise kommen die Griller der Nachfrage kaum hinterher. Das versuchen wir selbstverständlich zu verbessern, denn auch bei uns ist es so: Wo Menschen arbeiten, passieren Fehler. Aber wir versuchen gemeinsam, diese zu minimieren. Die Preise im Stadion sind insgesamt eher im unteren Mittelfeld vergleichbarer Angebote in anderen Stadien, das Bier nach meiner Erinnerung eines der preiswertesten in der 2. Liga.

Jacob: Als Auswärtsfahrer kennt man aus vielen Stadien, pardon Arenen, nur noch den bargeldlosen Verkehr beim Catering. Gibt es solche Überlegungen auch bei uns?

Eldi: Aktuell gibt es dazu keine Planung, aber auch diese Thematik haben wir grundsätzlich immer irgendwie auch auf dem Schirm und schauen uns genau an, was woanders passiert. Bargeldloser Verkehr hat ja nicht nur Nachteile … zum Beispiel dann, wenn er hilft, die Warteschlangen zu verkürzen. Aber wenn solch ein System kommt, dann muss es offen sein, sodass ein jeder entscheiden kann, ob er mit Karte oder bar zahlen möchte - auch im Hinblick auf die Gästefans. Ich denke, ein offenes System stößt auch auf eine bessere Akzeptanz unter den Stadionbesuchern, denn diejenigen, die es nicht wollen, müssen es auch nicht nutzen.

Jacob: In Gesprächen mit den Fans, und vor allem den UFCs gab es viele, oftmals kritische, Kommentare zur An- und Abreise zu den Heimspielen. Wie ist hier aus deiner Sicht die Situation für Autofahrer, aber auch Öffinutzer, vor allem die, die mit der Straßenbahn  aus Richtung Schöneweide fahren?

Eldi: Vor einem Jahr gab es im Stadion und online eine Umfrage in Zusammenarbeit mit einer hiesigen Bürgerplattform. Der zufolge kommt knapp jeder zweite Stadionbesucher mit den Öffentlichen, davon die meisten mit der S-Bahn. Durch die relativ gute Anbindung zum S-Bahnhof Köpenick sehe ich das eher unproblematisch. Das Angebot an Bussen und Straßenbahnen ist dagegen insbesondere bei Risikospielen nicht zufriedenstellend, eine Parkplatzsituation gibt es eigentlich gar nicht. Angesichts der Lage und des Umfeldes des Stadions An der Alten Försterei wird es in der Parkplatzfrage auch in Zukunft kaum eine zufriedenstellende Lösung geben können. Es gibt einfach keine Flächen im Umfeld dafür. Von der BVG gibt es grundsätzlich ein Angebot, zusätzliche Straßenbahnen oder Busse in Richtung Schöneweide einzusetzen. Das Problem ist, vor allem bei so genannten Risikospielen, aber natürlich auch immer die Durchlasssituation für die Bahnen und Busse in der Straße An der Wuhlheide. Außerdem sieht die BVG in dieser Angelegenheit nicht unbedingt ihren ureigensten Beförderungsauftrag, sondern verlangt für dieses zusätzliche Angebot recht viel Geld vom Verein, das wir derzeit nur in bestimmten Situationen, etwa für den schnellen Transport großer Mengen Gästefans zum Bahnhof Spindlersfeld, in die Hand nehmen wollen und können.

Jacob: Ein UFC schlug vor, dass dennoch ein kostenpflichtiger Busshuttle nach dem Spiel Richtung Schöneweide eingerichtet wird…

Eldi: …ja, klar, und dann mit dem offenen System bezahlen (lacht). Nein, wir sind natürlich auch immer mal im gelegentlichen Austausch mit der BVG, aber bislang gab es da wenig Annäherung. Ein bekanntes Argument der BVG ist dabei immer, dass die uns entstehenden Kosten beispielsweise für Sonderzüge, Trams und Busse durch uns auf den Eintrittspreis aufgeschlagen werden könnten. Da wir aber aus erwähnter Umfrage wissen, dass eben nur knapp die Hälfte der Zuschauer den ÖPNV benutzt, um zum Stadion zu kommen, und dass davon die Mehrheit sogar noch eine Monatskarte hat, wäre es aus unserer Sicht nicht fair, den anderen 15.000 Zuschauern die zusätzlichen Ticket-Kosten für eben jene Minderheit überzuhelfen.

Bea: Kommen wir zurück zum Stadion. Die Rollifahrer sind nicht ganz glücklich mit ihrer Situation im Stadion, sie sind ja derzeit in der ersten Reihe der Haupttribüne untergebracht. Dort stehen sie entweder im Weg oder sie sehen selbst nichts, weil der Durchgang gern genutzt wird und viele nochmal stehen bleiben, bevor sie die Tribüne verlassen. Gibt es Überlegungen, die Bedingungen für die Rollifahrer zu verbessern?

Eldi: Die Problematik ist uns bekannt, sowohl hinsichtlich der Qualität als auch der Quantität der Plätze. Gerade Letzteres müssen wir langfristig ändern, denn es ist uns bewusst, dass wir mehr Plätze zur Verfügung stellen müssen, weil auch für diesen Besucherkreis die Nachfrage wächst. Was den Ort als solchen angeht, muss ich leider sagen, dass Planung und Realität ein bisschen auseinanderklaffen. Dass 90% der Leute den Gang dort unten nutzen, hat sich genauso aus der Gewohnheit heraus entwickelt, wie dass 50% der Unioner, die vom Bahnhof Köpenick kommen, durch den Wald und über die Bierkassen reingehen. Die Leute haben sich quasi ihren Weg gesucht, damit müssen wir nun umgehen. Die Leidtragenden sind tatsächlich die Rollifahrer. Obwohl wir auch immer im regelmäßigen Kontakt mit Janine (Behindertenbeauftragte, Anm. d. Red.) stehen, haben wir bisher noch keine beiderseitig zufriedenstellende Lösung gefunden. Wenn also jemand eine praktikable Idee hat, immer her damit. Wir grübeln jedenfalls weiter über Verbesserungsmöglichkeiten nach.

Jacob: Dirk Zingler hat ebenfalls in Interviews mehrfach angedeutet, dass ihr euch ständig Gedanken macht, was mit der Alten Försterei in Zukunft passiert. Wo und wie kann denn noch weiter geschraubt und gebastelt werden?

Eldi: Man kann jederzeit darüber nachdenken, wie eine nächste Ausbaustufe aussehen könnte. Wenn wir uns als Verein tatsächlich wie gewollt weiterentwickeln, wenn wir langfristig sportlichen Erfolg haben und unter die Top 20-Vereine im deutschen Fußball vorstoßen, dann kommen wir zwangsläufig in die Situation, dass 22.000 Plätze irgendwann nicht mehr ausreichen. Auf Basis dieser Vision überlegen wir eben, ob und wie das gesamte Gelände in Zukunft noch entwickelbar ist. Kurz vor der damaligen Sanierung der drei Stehplatzseiten hatten wir bekanntlich nicht viel Zeit und noch weniger Geld, uns eine langfristige Strategie zur Entwicklung des Geländes zu überlegen. Beim Bau der Haupttribüne sah es dann in Sachen Planungsvorlauf glücklicherweise schon etwas anders aus. Und aus diesen Erfahrungen heraus nutzen wir jetzt eben schon die Zeit, uns zu überlegen, was man eigentlich noch im Stadion künftig langfristig machen kann. Ist ein weiterer Stadionausbau möglich und wenn ja, wie? Wie ist in diesem Zusammenhang dann, die gesamte Situation der Außenanlagen, also bspw. auch der zu erweiternden Ein- und Ausgänge zu betrachten?  Wie lösen wir die WC-Problematik? Was wird aus den Biergärten? Über all diese Fragen machen wir uns momentan Gedanken, ohne große Eile - wohl wissend, dass wir eben ein flächenmäßig sehr begrenztes Stadiongrundstück haben. Und wenn man auf diesem zusätzliche Zuschauerplätze schaffen will, dann geht es eben nur in die Höhe, also durch Aufstockung der vorhandenen Traversen. Dies prüfen wir zurzeit, in allen denkbaren Varianten.

Jacob: Am 30.April endet die Übergangsnutzung des Fanhauses. Wie ist der Stand der Planungen? Gibt es denn eine Baugenehmigung?

Eldi: Schon seit längerem. Da steht drin, was wir machen dürfen. Eigentlich recht unspektakulär, denn das, was wir beantragt haben, dürfen wir auch machen. Wir mussten die Baugenehmigung zwischenzeitlich nur mal erweitern, weil der Betrieb eines Fanhauses und der einer Notunterkunft für Asylbewerber dann doch recht unterschiedlich ist.

Jacob: Nehmen wir an, es läuft gut, und bitte verwende nicht das Wort „zeitnah“. Aber wann könnte realistisch gesehen, der Umbau des Fanhauses starten, die Inbetriebnahme beginnen?

Eldi: Beginnen werden wir unmittelbar nach dem Leerzug des Gebäudes zum Monatswechsel. Unser Ziel ist es, die Räumlichkeiten in der neuen Saison in Betrieb zu nehmen. Ob die Zeit bis zum Saisonstart dafür ausreichen wird, werden wir sehen.

Jacob: Was muss denn da gemacht werden? Sind die Pläne, die beim Tag der offenen Tür auslagen, noch aktuell?

Eldi: Weitestgehend ja, und wer damals in dem Gebäude drin war und sich die Pläne angesehen hat, wird festgestellt haben, dass so ein Verbrauchermarkt ein ziemlicher „hohler Vogel“ ist. Da gilt es, noch reichlich Zwischenwände reinzuziehen, Fenster einzubauen, Sanitäranlagen herzurichten, die Elektrik zu installieren usw. Reichlich zu tun also …

Jacob: Der letzte Stadionbau ist schon eine Weile her und vielen Leuten juckt es in den Fingern. Ist es geplant, die Unioner beim Umbau einzubeziehen und wenn ja, wie?

Eldi: Ja, wir werden es natürlich wieder versuchen. Sven Mühle als Fanhausleiter wird auf tatkräftige Unterstützer zugehen.

Bea: Unioner diskutieren viel über die Werte, dazu möchte ich auf ein Wort zurückkommen, das du schon mehrfach benutzt hast, bei dem sich bei einigen wohl die Nackenhaare aufstellen: kundenfreundlich...

Eldi: Sind wir nicht kundenfreundlich? Zumindest ist es unser Bestreben, genau dies zu sein. Ich nutze dieses Wort aus dem Sprachgebrauch eines Stadionbetreibers. Für den ist der Bierkäufer, der durstig vor dem Container steht, nun mal der Kunde. Aus Sicht des Präsidiums würde ich, wenn es um Vereinswerte geht, als Begriff wohl eher „fanfreundlich“ benutzen. Die Fanzufriedenheit aus Sicht des Vereins und die Kundenzufriedenheit aus Sicht des Stadionbetreibers sind inhaltlich durchaus auch unterschiedlich, würde ich jetzt behaupten. Bei der Fanzufriedenheit fließen einfach mehrere Aspekte mit ein, die den Stadionbetreiber wenig bis gar nicht, den Verein aber umso mehr tangieren: sportlicher Erfolg, die Stimmung im Stadion und so weiter, aber natürlich auch die Qualität der Bratwurst und der Preis des Bieres.

Bea: Thema Fanzufriedenheit, was glaubst du, ist für Unioner am wichtigsten?

Eldi: Sportlicher Erfolg! Und aus Erfahrungen der Vergangenheit: wirtschaftliche Stabilität. In Sachen Faninteressen, denn darauf zielt eure Frage ja, denke ich als erstes an Mitwirkung und Mitbestimmung. Ich finde, dass wir dafür von der Struktur her mit der FuMA ziemlich gut aufgestellt sind. Allerdings könnte da - wie sollte es anders sein - durchaus auch noch mehr gehen. Nur stoßen wir da auf einen uns allen bekannten Zustand: der Schritt vom Diskutieren hin zur aktiven, regelmäßigen Mitarbeit wird nur im Einzelfall vollzogen. Insgesamt sind es unter rund 12.500 Mitgliedern eben recht wenige Leute, die sich regelmäßig aktiv und langfristig einbringen. Das zeigt dann aber eben auch, dass der Großteil der Unioner, die ins Stadion kommen, sich prinzipiell wohlfühlen, einfach nur Fußball sehen wollen, dabei ein Bierchen zischen möchten - und im Prinzip mit dieser sogenannten „Vereinsmeierei“ nichts am Hut haben wollen. Was aber, und darüber sollte Einigkeit bestehen, absolut logisch, völlig normal und somit auch nicht schlimm ist.

Bea: Auf dem gut besuchten vorletzten Fanclubtreffen wurde viel diskutiert. Die vier Dinge, die den Unionern dort neben dem Unverrückbaren wie Stadionname, Farbe, Clubname am wichtigsten sind, waren Mitbestimmung, Kommunikation, Fußball pur und Transparenz. Wie alltagstauglich sind diese Werte für eure Arbeit?

Eldi: Solche Treffen und Diskussionen finde ich gut und wichtig, sie sind gelebte Partizipation in unserem Verein. Diese vier formulierten Werte entsprechen ausnahmslos unserem eigenen Bedürfnis und wir versuchen, dem gerecht zu werden. Dies geht – gerade was Kommunikation und Transparenz angeht - natürlich nur bis zu einem bestimmten Punkt. Ansonsten hätten zum Beispiel die konkreten Bemühungen um die Verpflichtung eines neuen Trainers viel früher in den Zeitungen gestanden, was nicht immer in unserem Interesse liegt. Man mag uns daher verzeihen, wenn wir aus guten Gründen und zu bestimmten Zeitpunkten etwas verschlossener sind und genau abwägen, was dem Verein gerade am meisten hilft. Der individuelle Wunsch nach möglichst vielen Informationen ist verständlich, aber den können wir nicht immer erfüllen. Bei Fußball pur wird bei uns nie ein Umdenken stattfinden. Ich bin als „kleena Piepel“ 1970 erstmalig hier im Stadion gewesen, ich kann mir das nicht anders vorstellen. Und das geht all meinen Kollegen genauso, die hier in den Gremien tätig sind. Genau für diesen Fußball pur machen wir das hier alles.

Jacob: Wie kann der Verein den Spagat zwischen unserem Verständnis von Fußball und der voranschreitenden Kommerzialisierung schaffen? Gibt es einen Unterschied in der Bewertung zwischen dir als Fan und als Präsidiumsmitglied?

Eldi: Es spielt keine Rolle, ob ich das als Fan und Mitglied des Vereins betrachte oder als Präsidiumsmitglied. Als Präsidiumsmitglied stehe ich in einer anderen Verantwortung. Damit geht einher, dass einerseits immer erstmal der Wille besteht, es allen recht machen zu wollen. Aber wir wissen natürlich, dass genau das eben nicht geht, weil die Ansprüche und Meinungsbilder unserer Vereinsmitglieder einfach oftmals auch zu verschieden sind. Es ist daher also immer unser Bestreben, es der großen Mehrheit bei uns so angenehm wie möglich zu machen. Wir hoffen, dass uns dies zumeist auch gelingt. Sofern wir von Nachlässigkeiten und Missständen wissen, versuchen wir diese zu beheben.

Was den Spagat angeht: Auch bei uns ist Fußball kommerziell, aber in einem vergleichsweise engen Rahmen. Wir nutzen die Kommerzialisierung für den Erhalt unserer Fußballkultur und gleichzeitig beschränken wir mit dieser Kultur auch ganz bewusst unsere kommerziellen Chancen. Die Frage, auf die wir immer wieder Antworten finden müssen, ist: Wie können wir unter diesen Umständen trotzdem unser Ziel erreichen?

Bea: Wenn du dir etwas von den Unionern wünschen könntest, was wäre das?

Eldi: Darf ich mir mehr Wünsche wünschen? (lacht) Ich wünsche mir erstens, und zwar bezugnehmend auf das zuvor Gesagte, noch mehr Partizipation seitens der Fans und Mitglieder - gerade auch in bestimmten Situationen, bspw. im Hinblick auf die anstehenden Arbeiten im Fanhaus. Zweitens habe ich das Gefühl, dass das Miteinander unter Unionern nicht immer dem entspricht, wie ich es mir vorstellen würde. Da würde ich mir schon wünschen, dass wir verständnis- und rücksichtsvoller miteinander umgehen, dass „Schulter an Schulter“ wieder vermehrt gelebt würde, dass wir untereinander positiv aufeinander einwirken, um die Werte, die wir gemeinsam diskutieren, auch weiterzutragen. Und vielleicht ginge in einigen Situationen auch ein bisschen mehr Selbstdisziplin, bspw. bei zufällig zustande kommenden Kontakten zu eigentlich unbeteiligten Fans anderer Vereine auf Auswärtsfahrten oder einfach nur bei der Beachtung von Schildern an der Umzäunung unseres Stadions.

Bea: Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast! Eisern!

Die AG Faninteressen der Fan- und Mitgliederabteilung möchte weiterhin den Kontakt mit den Fans und vor allem Union Fanclubs ausbauen, unser Ziel ist es, allen Unionern eine Plattform zum direkten Meinungsaustausch und zur Partizipation bieten zu können. Wir stehen weiterhin allen anderen Fanclubs zur Verfügung und würden uns über eine Einladung zu eurer nächsten Versammlung o.ä. freuen. Schreibt uns dazu eine kurze E-Mail an: fuma.faninteressen@fc-union-berlin.de