Donnerstag
17.09.2015

Hilfe in der Not: Union verschiebt Fanhaus-Pläne und schafft Platz für Flüchtlinge

Die dramatische Zuspitzung der Flüchtlingssituation in Europa macht auch vor Berlin nicht halt. Insbesondere im Hinblick auf die nahende kalte Jahreszeit steht die Stadt vor riesigen Herausforderungen, um die nach Berlin geflüchteten Menschen sicher unterzubringen. Der 1. FC Union Berlin hat deshalb entschieden, die eigenen Pläne für die Anfang des Jahres erworbene Immobilie in unmittelbarer Stadionnähe vorerst zurückzustellen und dem Land Berlin als Unterbringungsmöglichkeit für geflüchtete Menschen in den Wintermonaten zur Verfügung zu stellen.

Das Gebäude mit einer Fläche von ca. 1.200 qm soll künftig als Fanhaus mit Büros, Gastronomie und einem Service-Center dienen. Diese Pläne werden bis auf weiteres zurückgestellt.

„Berlin ist darauf angewiesen, alle Reserven zu erschließen, um das Unterbringungsproblem zu lösen. Wir haben die Möglichkeit, dazu einen Beitrag zu leisten, indem wir selber verzichten. Natürlich hätten wir unser Fanhaus sehr gerne anlässlich unseres 50. Vereinsgeburtstag im Januar eröffnet, aber wenn wir akute Not lindern können, dann tun wir das selbstverständlich“, erläutert Fanhaus-Leiter Sven Mühle die Zwischennutzung des künftigen Fanhauses.

Der 1. FC Union Berlin engagiert sich bereits seit Monaten für die Integration von geflüchteten Menschen in seinem direkten Umfeld und in der Stadt. Die Teilnahme am 1. Berliner Flüchtlings-Sport-Kongress im Oktober des vergangenen Jahres bildete den Auftakt zu einer Vielzahl von Maßnahmen, beginnend mit einem Freundschaftsspiel gegen den SC Union 06 im Poststadion bei freiem Eintritt. Der Einladung folgten Berliner und Flüchtlinge, die in Traglufthallen auf dem Gelände des Sportparks Poststadion untergebracht waren.

Mehr als 500 Menschen feierten im Februar gemeinsam in der Haupttribüne des Stadions An der Alten Försterei das Willkommensfest „Anstoß zur Begegnung“. Die neuen Bewohner des Flüchtlingsheims Allende II waren ebenso geladen, wie Anwohner der umliegenden Häuser und Union-Fans.

Regelmäßig sind Flüchtlinge und andere Bedürftige zu Gast bei Union-Heimspielen im Stadion An der Alten Försterei. Abwehrspieler Christopher Trimmel brachte persönlich Kleidung aus Mannschaftsbeständen in das Notaufnahmequartier in Berlin-Karlshorst, Anfang Oktober wird sich der 1. FC Union Berlin mit der Ausrichtung eines Fußballturniers für Teams aus Flüchtlingsprojekten und Familientreffs an der deutschlandweit organisierten Interkulturellen Woche beteiligen. 

„Wir können Flüchtlingsströme nicht beeinflussen oder die internationale Politik verändern und als Fußballverein ist es auch nicht unsere Aufgabe, aber wir sind humanistischen Grundwerten verpflichtet und können hier in unserer Stadt, in unserem Umfeld denjenigen helfen, die unsere Hilfe brauchen. Wenn durch die Bereitstellung unserer Flächen nur eine Sporthalle in Berlin weniger umgewidmet werden muss, ist allen geholfen“, erklärt Union-Präsident Dirk Zingler.“

An der für den kommenden Bundesligaspieltag geplanten Aktion einer Boulevardzeitung wird der 1.FC Union Berlin hingegen nicht teilnehmen.

1. FC Union Berlin